den Calvin lehrte, gleicht nicht mehr demjenigen, den einige Predigerheut zu Tage in Genf verkünden. Der Christus des Johannes vonNoyon hatte eine doppelte Wesenheit, er war Gott und Mensch', zu-gleich ; und der Christus der Nachfolger des Reformators ist eine Mo-nade, welche ihre göttliche Glorie abgelegt hat, und nichts mehr ist,als ein aus Lehm gebildeter Adamssohn, der nur ein wenig größerist, als Mahomed oder Alexander.
IV. Kapitel.
Die Abhandlung von der Sanftmuth.
Prüfung dieses Werkes. — Peinen und Quäle» des Verfassers. — VerschiedeneBriefe. — Calvin verkauft seine Pfarrstelle und seinen Antheil am väterli-chen Erbe.
Als man einen von Luther's Anhängern tödtetc, erhob er mitMacht seine Stimme und rief den Königen, den Kaisern, den Herzogenzu: es ist das Blut des Gerechten, das ihr vergossen habt. Damalsschrieb der Mönch eine Hymne zu Ehren der Märtyrer und man sangsie den Herrschern in's Angesicht:
„Zu Brüssel in dem Niederland,
Wohl durch zween junge KnabenHat Gott sein Wunder macht bekannt,
Die er mit seinen GabenSo reichlich hat gezieret."
Calvin wagte es nicht, Luther nachzuahmen. Er hat uns schongesagt, daß ihm der Muth fehlte. Er wiederholt noch an einem an-dern Orte, er sei aus dem Volke, klein als Mensch und als Gelehrter,er habe nichts an sich, was ihm einige Hoffnung machen könnte, be-