Druckschrift 
1 (1843)
Entstehung
Seite
36
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Gedanke unter andern Ausdrücken, und Adolph Menzel hat das Wahredavon ausgesprochen, wenn er in der Vorrede zu seiner Geschichte derReformation in Deutschland sagt: Als wenn eine That auf ibre höchsteGewalt je ein Reckt begründen könnte!

Damals geschah, was in Deutschland schon geschehen war: von

diesen geheimen Predigten gingen Neophiten aus, die ganz durchglühtwaren von einem Feuer, das sie ein göttliches nannten. Es warenPropheten aus dem Stegreife, die sich für berufen hielten, das Werkdes fünfzehnten Jahrhunderts wieder herzu stellen; cs waren Doctoren,die nichts gelernt batten und unsere heiligen Schriftausleger der Lügeüberführen wollten, Leviten, welche der Hauch Ealvin's in Apostelumwandelte, Sorbonnisten ohne das geistliche Gewand, welche mit demMeister und mit der Magd disputiren wollten, Handwerker ain Mor-gen, Schüler am Mittag, Prediger am Abende, sie glichen ganz demPossenreißer, ven uns Walter Scott schildert: Häscher vermöge seinesKopfes, Obersthaushofmeister vermöge seines Gürtels, und Läufer ver-möge seiner Füße. Man nannte diese neuen Menschen damals Luthe-raner, Venn das Wort Hugenotten war noch nicht erfunden. DieseLutheraner lebten in großer Anzahl in den französischen Städten; inMeaur besonders, wo sie einen Aufstand erregt batten: die Obrigkeitwar mehr als einmal genöthigt, ihren fanatischen Eifer und ihre über-müthigen Reden zu unterdrücken. Vor den Gerichtsbehörden waren sievoll Stolz, im Gefängnisse erfüllte sie Freude und Heiterkeit, sieglaubten von Gott berufen und von seinem Worte begeistert zu sein.Ealvin hatte in Paris eine kleine Kirche gegründet, in welcher er inder Nacht und bei verschlossenen Thüren predigte, die Tradition inihren katholischen Organen angriff, den Glauben in seinen geheimnißvollenHeilsmitteln, die Kirche in dem Papstthume, die menschliche Gesell-schaft in ihrer religiösen Gestalt; so lehnte er sich gegen die Einrichtungdes Landes, gegen seinen Gottesdienst und gegen seine Gesetze auf.Pasguier schildert ihn uns, mitten unter seinen Büchern bei seinemStudium, als eine höchst unruhige Natur, die Alles aufbietet um seineSectc emporzubringcn.Wir sahen bisweilen unsere Gefängnisse vonarmen, betrogenen Leuten überfüllt," sagt er,die er unaufhörlichermahnte, tröstete, durch Briefe bestärkte, und cs fehlte ihm nicht anBoten, denen die Thore offen standen, obwohl die Kerkermeister emsigdagegen waren. Durch dieses Verfahren gewann er Schritt für Schritt

l) kssguier, Ilecllerelles sur In 1'nmce , Ull. 6. 71W.