Abbruch. Sie trafen sich jeden Tag in dein Collegium de la Marche,bei der Borlesung des Professors; an Sonn- und Festtagen an derTafel eines vornehmen Herrn aus dem Hause Mommor, oder in denGärten des Collegiums, wo sie miteinanrcr auf und ab gingen, undsich die Lehren, welche sie während der Woche gehört hatten, in's Ge-dächtnis; zuri'ickriefcn. Der Schlosser Richard Calvin war stolz auf dieFortschritte seines Neffen; denn der Knabe zeichnete sich aus und hatteviele Talente. Richard ging alle Morgen in die Pfarrmcssc, enthieltsich am Freitage und Sonnabende von Fleischspeisen, betete seinen Rosen-kranz, fastete an Quatembern: und dich waren ttebnngcn, über welcheder Schüler spottete. Jobann hatte nämlich schon in seinem vierzehntenJahre einige Schriften von Luther gelesen, und der Zweifel war schonin seine Seele gedrungen, der sic beunruhigte und quälte. Cr ver-langte mit Sehnsucht nach der Ruhe, welche den armen Handwerkererquickte, aber sic floh ihn. Cr hätte indessen dieses große Geheimnis;,den innern Frieden zu erlangen, leicht erfahren können; sein Qnkclwürde ihm gerne gesagt haben: Glauben und Lieben war meine ganzeWissenschaft.
Der Professor am Collegium de la Marche war Mathurin Cor-dicr, der sich die Schriftsteller des alten Roms zu seinen Freunden,Gästen und Göttern gemacht hatte. Cr war „ein sehr braver, schlich-ter und in seinem Fache eifriger Manu, welcher sein ganzes Leben demUnterrichte der Jugend widmete, in Paris, Revers, Bourdeaur, Genf,Neufchatcl, Lausanne und später wieder in Genf, wo er im Jahre156^ in einem Alter von 85 Jahren starb. Zuletzt ertheilte er denUnterricht in der sechsten Classe." — Nachdem dieser durchaus revo-lutionäre Geist eine wohlthätige Acndcrung im Unterricht veranlaßt hatte,hätte er den Katechismus wie eine Sprachlehre behandeln mögen. Erhatte auf dem Lehrstuhle eine angenehme, blühende Sprache; in seinertraulichen Redeweise erkannte man Spuren des Alterthums, und wennseine Vorlesungen vorüber waren, ließ der Dichter den ganzen heid-nischen Olymp zurück, um eine Hymne an Gott zu singen. —Diese Gesänge, deren sich vielleicht auch Sadolet nicht geschämt hätte,waren nicht immer von jener Rechtgläubigkeit erfüllt, welche der gelehrteItaliener der heidnischen Ambrosia beizumischen wußte. Cordier neigte
I) „Kalurinus dwrclorius !q><>ct»N>(> t„m iirodil.'itis, tum eruclitionis vir."Um?,',. Seine lateinischen Gespräche waren lange Zeit in den Händen derSchüler. In Bezug aus die geistlichen Hymne», welche er in französischer Spracheschrieb, steht er ungefähr mit Marot ans gleicher Stufe. (Lyon 1Z5V.)
v) Lore, Vie <je OIvm.