Der französische Hof war unter Franz 1. die Zufluchtsstätte undder Sammelplatz aller Berühmtheiten jener Zeit, besonders der wissen,schaftlichen Berühmtheiten, für welche dieser Fürst eine große Vorliebehatte, und die er auch unterstützte. Da fand man Wilhelm Budäus, derso glücklich war, einen König zu finden, welcher einen vortrefflichen Geistbesaß, und die schönen Wissenschaften sehr liebte. Ihm widmete dieser Schrift,steiler seine ausgezeichneten „Commentare der griechischen Sprache", und erbewog den Fürsten, daß er über die drei Sprachen an den Schulen undUniversitäten des Königreichs Vorlesungen halten, und ein ausgezeich-netes Kollegium für die drei Sprachen errichten ließ; hier lebtenauch Johann du Bellas, der den Horaz so sehr liebte, daß er ihnunter sein Kopfkissen legte; dann Ramus, der in St. Barthelemy einso erbärmliches Ente nahm; Scaliger, den man nur nennen darf, um ihnzu preisen; Melchior Wolmar, einer der Rechtsgelehrte», welche Lutherin Wittenberg mit seiner beißenden Ironie verfolgte, und „Wortklauber"nannte, „die kaum das Vater unser vortragen könnten." — Hierfindet ihr ferner Wilhelm Cop und Peter de l'Ctoil, „die sich mit dergriechischen und hebräischen Sprache beschäftigten, zum großen Verdruffeder Sorbonne," fügt Beza böswillig hinzu, „welche sich Allem mit solcherWuth widersetzte, daß man hätte glauben können, griechisch zu lernensei eine der ärgsten Ketzereien von der Welt." Das ist eine unverdiente Schmähung; denn die meisten Mitglieder der Sorbonne verstan-den beide Sprachen, die Hebräische und die griechische. Muß mannicht die Wege Gottes bewundern, der nach Beza's Ausdruck, „einegalante Frau sandte, um die Religion zu reformiren," aber Männern,wie die Sorbonnisten, welche bei dem Studium der heiligen Schrift graugeworden waren, das Verständnis; vorenthielt!
Den Humanisten, Dichtern und Gelehrten gesellten sich die Theo,logen bei. Man bemerkte insbesondere Jakob Le Fevrc d'Ctaples,welcher vor Kurzem seine Exegese über die Briese des heiligen Pau.Ins in den Druck gegeben hatte, und in der Ruhe der Einsamkeitseine französische Bibelübersetzung vorbereitete. Zur nämlichen Zeit ver-kündete Luther, bis zu seiner Ankunft sei die Bibel bei den Katholikenein verbanntes Buch gewesen, und der Magister Mathcsius, ein Schü-ler des sächsischen Mönchs, klagte über die Fesseln, in welchen das
1) lkeockoro jie/.,;, Ilist. eeol.
2) Man sehe die Schrift nach, welche die Sorbonne in Bezug auf die LeipzigerDisputation zwischen Eck und Luther hcrausgab. Vor feiner Verdammungnannte Luther die Sorbonne: „die Mutter und Amme der schönen Wissenschaf-ten." Lnther's Briefe, hcrausgcgebcn von de Wette, l. Bd.