Die Wissenschaft des sel. Albertus. 379
von den Heiligen und Philosophen unter die Kräfte gezählt; als In-stand (Irnbitris) aber unter die Zustände').
„Sie gehört zum praktischen Verstand, welcher Befehle gibt überdas, was zu thun ist; ste heißt darum ein Funke (soiirtilln rntiorüs)desselben, der immer znm Guten sich hinbcugt und über das Bösemurrt. Au und für sich kann die Syntherests nicht irren, nämlich inAnbetracht des Höheren, der sie leitet, aber in Anbetracht des Unte-ren, welches sie leitet; in Anbetracht der Wahlfrciheit, der Intelligenzund des Willens, außer und über welchen sie ist, kann sie xmr nooiclensfallen, wie ein Soldat, dessen Pferd stürzt. Dieser Sturz ist nichtFehler des Soldaten, sondern des Pferdes, und man legt ihn nichtdem Soldaten bei, außer insofern er das Pferd nicht am Zügel gehal-ten, daß es nicht stranchle ^)."
„Das Gewissen wird auch in keinem Menschen, er mag noch aufder Wanderung oder unter den Verdammten seyn, ganz ausgelöscht.Nur ist es beim Verdammten keine Neigung zum Guten mehr, son-dern nur Erbitterung über die Strafe, die aus der Sünde folgt."
„Die Haupteintheiluug der Tugenden ist die in theologische undKardinaltugeudcu, die sich auf die bewirkende Ursache bezieht. Dietheologischen bewegen znm göttlichen Ziele hin und sind von Gott ein-gegossen. Die Kardinaltugeudcu aber bewegen zur rechten Mitte inden Affekten und Handlungen und sind durch Unterricht erworben ^)."
Gar schön ist die Vergleichung der Schöpfung und Rechtfertigungbei Albertus: „Beide," sagt er znm Schluß, „sind keine Wunder (miru-onln), aber wunderbar, da sie den Menschen ob ihrer Höhe in einUcbermaß der Bewunderung versetzen. Doch ist das Werk der Wie-dergeburt dadurch-wunderbarer, daß es ein größerer Erweis der gött-Lchen Liebe und Güte ist, wie Petrus Diakonus sagt im Segen derOsterkerze: O unschätzbarer Erguß deiner Liebe! Um den Sclavcn zuerlösen, gabst du den Sohn hin!"
Auf die Frage, wie der in Liebe wirksame Glaube die Rechtfer-tigung vollbringe, sagt Albertus^): „Die Rechtfertigung des Sünders
1) 8urnma tlieol. II, p. 46?. Gleich darauf sagt er: Es sei eigentlich ina-terialiter ein seidile; aber torrnaliter ein Imbitus in potontia oder eine potentiaNaditualis. x. 469. Die Synthercsis wird dann wieder von der Lonseiontia unter-schieden; jene sei eine Potenz der Seele, dieses ein Habitus, aber sie haben Gemein-sames.
2) IdM. x. 467.
3) Idiä. p. 480.
4) Ibiä. x. 482.