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Kapitel XXXIX.
Willen hat man nicht nachher Ursache zu fragen. Um aber doch dieAntwort nicht schuldig zu bleiben, bemerke ich: Die Alten gaben alsGrund an, warum das nicht passend gewesen wäre, weil sonst das Ge-schöpf hierin dem Schöpfer gleich geworden wäre, indem sie beide gleichvon Ewigkeit wären. Ich aber sage, die Creatur konnte nicht so ge-macht werden, daß sie von Ewigkeit und ohne Anfang der Dauer sei.Gott sieht nicht auf das, was er machen kann, weil er nichts thut we-gen des eigenen Bedürfnisses, sondern auf das, was nach der Ordnungder Weisheit und dem Drange seiner Liebe der Creatur convenientund zuträglich wäre."
In Bezug auf die Engel nimmt Albertus nicht eine Verschieden-heit der einzelnen Engel der Art nach an, sondern in Bezug auf dieVollkommenheit ihrer Aemtcr, die zum Dienst des himmlischen Reichesgehören. Er thcilt sie in neun Zierden (in trss trinos ornutuL) ').
Beim Wohnort der Engel spricht Albertus auch vom Himmel derTrinität und sagt: „Im Himmel der Trinität ist nichts, als die Tri-nität selbst. Und der Himmel der Trinität ist nicht ein Körper, son-dern die ausnehmende Erhabenheit der Trinität selbst, erhaltend undschützend Alles, was ist. Kein Geschöpf ist im Himmel der Trinität,weil nichts zur Gleichheit mit der göttlichen Erhabenheit gelangenkann. Auch die heilige Jungfrau, weil sie geschaffen ist, ist nicht imHimmel der Trinität. Obgleich über den Chören der Engel nichtsist als der Himmel der Trinität, was den Unterschied der Wohnungen
in der Seligkeit betrifft, so erheben sich die Chöre der Engel doch
nicht zur Gleichheit mit Gott, sondern zwischen der Erhabenheit Got-tes und den Erhebungen der Engel ist eine unendliche Distanz sowohlin den Graden der Würde als der Glorie; in dieser seiend, heißt dieheilige Jungfrau über die Chöre der Engel erhoben, was keinem Hei-ligen gewährt ist 2)."
Auf die Frage, ob die Engel das Mysterium der Jncarnationwußten, sagt Albert: „Eine Glosse erklärt, die obern Engel hätten eserkannt bei dem Worte: Es werde Licht! die andern erkannten eserst durch die Kirche, d. h. durch die Predigt der Apostel. Aber mankann auch so sagen, daß die Kenntniß der Engel eine doppelte ist, im
Worte und in der eigenen Gattung (in proprio Aensro). Und so
kann man sagen: Im Worte haben sie vom Anfang ihrer Schöpfung
1) 8umma tUeol. p. 78.
2) IbiL. p. 89.