375
Die Wissenschaft des sel. Albertus.
Prüfung unterziehen und die bedeutsamsten Aussprüche und Anschauun-gen des Albertus in dieser Hinsicht wieder Mittheilen
Merkwürdig ist sogleich, daß Albertus hier einen scharfen Kampfaufnimmt gegen die gewichtigsten Autoritäten, gegen seine hochgefeicr-tcn Meister, gegen Plato und Aristoteles, die in Bezug ans den Ur-sprung der Welt Irrtümliches gelehrt. Nachdem er Plato's Annahmedreier ewiger Prinzipien, Gottes, der Ideen und der Materie, wobeiGott nur als Weltbildner erscheint, in langer Abhandlung abgewiescn,geht er daran, ebenso die Jrrthümer des Aristoteles anfzndecken in Be-zug auf die Prinzipien und die Ewigkeit der Welt. Er betitelt einenAbschnitt 2) sogar: Do erroribus ^ristotelis. Wir sehen also aber-mals, mit welchem Rechte man ihn den Affen des Aristoteles ge-nannt hat!
Er gibt hiebei die Erklärung: „Wenn Aristoteles aus der Ewig-keit der Bewegung auf die Ewigkeit der Welt geschlossen hat, so istdas falsch. Der Beweger war von Ewigkeit, aber das Beweglichenicht. Die Bewegung fing erst an, als vom Beweger das Beweglichegemacht worden. Denn die Schöpfung ist nicht eine Bewegung, son-dern ein vom bloßen göttlichen Willen ausgehendes Jnsdaseynrnfenderjenigen Dinge, die vorher nichts waren und an sich nichts sind undans Nichts sind. Darum hat Aristoteles in dieser Beweisführung weitgeirrt (rmiltuin errnvit)
Ans die Frage: Warum hat Gott gerade damals, und nichtfrüher die Welt erschaffen? sagt Albertus: „Nach der Anordnung sei-ner Weisheit und der Ordnung gemäß durfte er nicht früher schaffen.Die Frage ist die gleiche mit der: Warum hat Christus die Jncarna-tion so lange aufgeschoben? Darauf antwortet der Apostel Gal. 4:Da die Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen Sohn. Er nennt csdie Fülle der Zeit, die Zeit, die vom Dreieinigen vorherbestimmt war.Fragt man weiter: Warum hat er nicht früher schaffen wollen? soist bas nach Augustinus eine thörichte Frage, denn vom göttlichen
1) Bd. XVIII bei Jammy. Albertus sagt gar schön am Beginn dieses Theiles:Wie Moses, nachdem er mit Gott gesprochen, leuchtend mit einem Strahlenkränzevom Berge herabgekommen, so sollte auch unser Geist, nachdem wir von Gott, demBerge des Lichtes, geredet, voll Licht seyn, um die Niederungen der Creaturenweltwahr, treu und klar zu überschauen.
2) Bd. XVIII; Lumma Meol. p. 45.
3) 8nmma tiieot. p. 59. Ebenso widerlegt er die sieben Beweise des RabbiMoyses für die Ewigkeit der Welt.