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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXXIX.

der gewöhnlichen Natnr zu seyn scheint, so, daß eine Jungfrau gebäreund doch Jungfrau bleibe, daß ein Blinder sehend werde, ein Todtcrauferstehe; das liegt nicht in der Kraft der Natnr, aber durch göttlicheMacht kann cs vollbracht werden, die nach natürlicher Ordnung in derunterworfenen Natnr thun kann, was sie will; denn das ist ja einWunder, wie Chrysostoinus sagt, was nur der göttliche Wille voll-bringt. Neben der Natnr ist, was zwar in der Kraft der Natur liegt,doch durch Natnrwirknng nicht ansgcführt wird. So daß die Stäbein Schlangen verwandelt wurden Exod. 7. Denn die Keime dazulagen im Stab; bei dessen Verwesung können Schlangen darauswerden. Da geschah nur plötzlich, was sonst langsam geschieht. Wirsagen nun, Gott handle gegen die Natur nach der ersten Auffassungdes Wortes Natur in allen Wundern. Aber nach der zweiten unddritten Deutung des Wortes thnt er nie etwas gegen die Natnr.Denn wenn er etwas ans die zweite Weise thun würde gegen die Na-tur, wäre er sich selbst feind; und wenn ans die dritte Weise, würdeer seine eigene Anordnung und Einrichtung umstoßen. So thnt ereigentlich nichts gegen die Natur, aber über die Natur und neben derNatnr I."

Diese Stellen, hervorgehoben aus der Lehre Albert's von Gott,dem Einen und Dreieinen, die er mit größter Ausführlichkeit mit Rück-sichtnahme ans alle Namen, Prozesse, Eigenschaften Gottes, mit Beant-wortung aller hiebei nur möglichen Fragen behandelt hat, sollen eini-gen Aufschluß geben über die Stellung unsers Meisters zur Entwick-lung des Dogmas, über sein Verhältniß zn den zweifelhaften undschwierigsten Aufgaben der theologischen Wissenschaft. In gleicherWeise wollen wir auch seine Lehre von den Creaturen einer kurzen

1) Lumina Ib. p. 456. Noch klarer p. 473. Natura (lleitur tribus rnoäis.Drimo moäo Meta uatura regula immobil!« est proviäentiae, qua ununrquoä-que äebitum naturae suae tinem ^ubernatur et äeäucitur. 8t contra bauenaluram non polest Deus kacere, sieut nee contra ssipsum. Lecunäo moäo äi-cilur natura lex sive äispositio obeäientialis, qua omnis natura Deum oräi-natur, ut trat in es, quiäquiä Deus voluerit. 8t baec natura se trabst na-turam prinro äictain, sicut se Irabet latum proviäenliam. 8t contra bauensturam Dens iterum nikil polest praecipere nec kacere sicut nee contra soipsum. lertio moäo äicitur natura solitns et consuetus cursus naturae. 8tcontra illum potest kacere et praecipere Deus, maxime praecepto probalionis etinstructionis: quia in illis actuin non vult Deus, seä aliquiä circa actum. Nochausführlicher Lumina tlrevl. II. p. 192.