Die Wissenschaft des scl. Albertus.
373
Die spätere Unterscheidung der vier Seynsweisen im Raum findetsich bereits bei Albert an mehreren Stellen: Lloclrrs ubsvlntus (GottesScyn im Raum), cisLniUvus (Engel), oirourasoriptivus (Körper), iriirn-oulosus oder suorunwutulis (Christus in der heiligen Hostie) Z.
Bei der Frage, ob die Engel einen Körper annchmcn können,sagt er: „Bei dieser Untersuchung kann der Philosoph wenig odernichts sagen; man muß sich da ganz aus die Autorität der Heiligenund der heiligen Schrift stützen Z."
Auf die Frage, ob Gott die Dinge besser machen konnte, als ersic gemacht hat, sagt er distinguircnd: „Es ist Glaubenssatz, daß keineCrcatur von Gott gemacht worden, ohne daß sie Gott besser machenkonnte; denn sonst würde das endliche Werk die Macht des Unend-lichen erschöpfen. Also an sich könnten die Dinge besser scyn; aber inBeziehung auf das Universum konnten sie nicht besser scyn und wer-den; da kann man sie das Höchstgute nennen, denn sie sind gemachtvon der besten Weisheit, von der wirksamsten Macht und vom gütig-sten Willen des Schöpfers und könnten znm Zustand und zur Ordnungdes Universums nicht besser passen ^)."
Bei der weiteren kitzlichcn Frage, ob Gott etwas gegen die Na-tur thun könne, bemerkt Albert: „Nach Augustinus hat Natur einendreifachen Sinn. Es heißt Natur der gewöhnliche Natnrlauf, der inden Vegetabilien und Thieren ist. Dann heißt Natur die aktive undpassive Kraft, vermöge der sie physisch thätig aus einem passiven Kör-per etwas Hervorbringen kann, was nach dem Lauf der Natur natür-lich ist. Dann heißt auch Natur die natriru nuturnns, d. h. die na-türliche Unterwerfung von Seite der geschaffenen Natur und die na-türliche Macht, vermöge derer die natura nuturnns, d. h. Gott, in derSchöpfung thun kann, was sie will. Und das auf zweifache Weise,nach dem Gesetz der Natur und nach der Freiheit des Willens, inwelcher Satzung die göttliche Anordnung das höchste Gesetz ist. Darumsind einige Dinge über (suxru) die Natur hinaus, einige gegen (oontru)die Natur, und einige neben (xrnetsr) der Natur. Ucber die Natursind die, welche in der Potenz eines Dinges nicht liegen, aber durchdie göttliche Macht an einem Stoffe eintreten können. So nach Dio-nysius die Auferstehung. Gegen die Natur ist, was gegen den Lauf
1) 8umma Üieol. p. 417.
2) Ibici. x. 426. Er bemerkt hiebei, aus dem Aethcr bilde sich der Engel den
Leib.
3) 8nmma ilreol. p. 446.