Die Wissenschaft des sel. Albertus.
371
Bernardns Wort: Gott ist nicht das materielle, oder essentielle, son-dern das Causalprinzip aller DingeZ."
Zusammenhängend mit dieser Anschauung ist auch seine Lehre überdie Ewigkeit aller Wahrheiten oder über das ewige Seyn der Wahr-heit aller Dinge in Gott: „Nach dem katholischen Glauben ist dieWahrheit von Ewigkeit; aber das ist die Wahrheit des göttlichenLichtes, das Jegliches ideal und rational bestimmt, das, was ist, zumSeyn, was nicht ist, zum Nichtseyn, und ebenso zum Gewescnseyn undNichtgewesenseyn, zum Seynwerdcn und Nichtscynwcrden. Aber indiesem Lichte war nicht, ehe die Welt und Zeit war, das Wahre derverschiedenen Dinge in der Welt, außer auf die Weise, wie die Wir-kung in der ersten Ursache, ehe sie Wirkung geworden Z."
In der ausführlichen Untersuchung über das Gute und Böse sagtAlbert: „Nom höchsten Guten kann aus keinen Fall das Böse durchdessen Wirksamkeit (stkdotivs) seyn. Denn das höchste Gut kann nurgut seyn. Und obwohl die Wirksamkeit desselben, die Schöpfung, frei-willig ist, so kann doch der Wille von der Essenz nicht getrennt wer-den ; und Alles, was von ihm in das Seyn gerufen wird, ist im Gu-ten begründet und zum Guten geneigt. Dagegen kann das, was et-was Andres, als das Gute ist, aber am Guten Thcil hat, böse werden.Denn dieses kann, durch natürliche Nerkehruug oder durch freie Ab-wendung verdorben, vom Guten an sich abbeugen, zur bösen Thatübergehen und so Ursache des Bösen werden Z."
Nachdem der Meister die ganze Lehre von dem Geheimniß derheiligen Dreieinigkeit mit einer Ausführlichkeit behandelt, wie sie wohlwenige Lehrer bearbeitet, spricht er auch bei dem Wissen Gottes vonder Neprvbation und ergänzt hier den Petrus Lombardus. Dieserhatte gelehrt: Die Reprobation sei das Vorherwissen der Bosheit Mancherund die Vorbereitung ihrer Verdammniß Z. Dazu sagt nun Albertus;„Die Reprobation ist das Vorhcrwissen der Bosheit Einiger, nicht dieVorherbestimmung, und die Bereitung zur Verdammniß. Also sinddrei Dinge in der Reprobation, das Vorherwissen der Bosheit, das istdas einfache Wissen ohne alle Ursächlichkeit, vermöge dessen Gott vor-her sieht, was zukünftig ist. Das zweite ist die künftige Bosheit indem, der verworfen wird. Das dritte ist die bereitete Verdammniß,
1) Lumina M. x. 76.
2) Idiä. x. 119.
3) IbiN. p. 146-
4) l,id. I. sent. äist. XI,. 4.
24 *