Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
370
Einzelbild herunterladen
 

370

Kapitel XXXIX.

Wesenheit und Einen: Seyn nicht in drei von einander verschiedenenPersonen persönlich existirt; darum nimmt sie über dieß oder außerdiesem oder gegen dieß nichts an, wenn sie nicht durch die Gnade oderErleuchtung eines höheren Lichtes emporgehoben wird Z."

Die Frage, ob man die Existenz Gottes beweisen könne, oder obsie an und für sich bekannt oder bloß ein Glaubensartikel sei, beant-wortet er in Kürze so, daß er sagt:Man kann etwas im weiterenund engeren Sinne, im Allgemeinen (oornrarnaitör) und im Besondernbeweisen. Im Allgemeinen wird bewiesen, was durch irgend eineBeweisführung (ostönsioiw) als an sich oder in einem Andern existi-rend aufgezeigt wird. Und so kann man beweisen, daß Gott sei.Einen strikten (engen) Beweis aber nennt man den Syllogismus, derdurch ein wesentliches und umkehrbares Mittelglied schließt, es magdieses Mittelglied Ursache oder Wirkung oder ein Aequivalent einesdieser beiden, ein umkehrbares Zeichens, seyn. Und auch dieser Be-weis kann entweder direkt (ostsnsivn) oder indirekt ( ürixossibils)seyn. Auf direkte Weise nun kann man nicht beweisen, daß Gott ist,weil er keine Ursache außer sich hat, noch auch durch seine Wirkungensich erschöpft, noch Zeichen gegeben hat, die sein Wesen ganz ansdrücken.Aber auf indirekte Weise kann man Gottes Existenz beweisen. Dennwenn angenommen würde, Gott sei nicht, würde viel Unmöglichesfolgen 3)."

Daraus fügt Albert den fünf herkömmlichen Beweisen für GottesDaseyn noch zwei andre bei, von der Bewegung und dem beschränktenSeyn ausgehend ^).

Bei der Untersuchung der Einfachheit Gottes schneidet Albert al-len Pantheism ab, indem er sagt: Gott ist weder die wesentliche Form,noch die Materie eines Dinges, noch kann er es seyn. Es gilt des

1) Lumina tkeol. p. 32. Später wird übrigens behauptet, daß die Philoso-phen doch einige Kenntniß der Dreieinigkeit haben konnten, weil alles Edle derCreatnren sich eminent in Gott wieder finden muß; da nun das Eins in Dreienund Drei in Einem auch in der Creaturenwelt ist, so muß es auch in Gott seyn.?. 65.

2) D- h- das Mittelglied muß entweder die Ursache des zu Beweisenden seyn,oder die vollkommene, es ganz erschöpfende Wirkung (daher convertirbar), oder esmüssen Bilder, Zeichen seyn, die die Ursache ganz erschöpfen.

3) Lumma Ui. p. 63-

4) Idiä. x. 65.