Die Wissenschaft des sel. Albertus.
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Albertus gab zuerst deu gesammteu Aristoteles in einer auch denStudierenden zugänglichen Form, theils bloß übersetzt, theils mit Er-weiterungen, Verbesserungen und Erklärungen, indem er hiebei allespäteren christlichen und arabischen Schriftsteller benützte, das Gutederselben anfnahm und das Unhaltbare ausschied. Daß er sich hiebeinicht als blinden Bewunderer und Kopisten des Stagyriten bewies,daß ihm also der Name eines Affen des Aristoteles nur von Unwis-senden i) beigelegt wurde, wird Jedem einlcnchten, der nur einen Blickin seine Schriften wirft. Denn an hundert Stellen sagt er offen, Ari-stoteles habe hier geirrt; er vcrtheidigt seine Korrekturen aristotelischerIrrthümcr gegen seine Widersacher damit, daß er sagt, Aristotelessei kein Gott, also könne er auch geirrt haben und dürfe verbessertwerden, er nimmt manchmal den Plato gegenüber dem Aristoteles inSchutz und stimmt diesem bei; er sagt, die Vereinigung der aristote-lischen und platonischen Philosophie sei die wahre Philosophie. Alsogewiß keine Sklaverei!
So bearbeitete er also die Logik, Physik, Metaphysik, Ethik undPolitik des Aristoteles U- Wir wollen einen Ueberblick über seine Lei-stungen auf diesem Gebiete geben.
In der Logik bietet Albertus die Uebersetzung der einschlägigenAbhandlungen des Aristoteles, indem er sie mit Einleitungen und Zu-sätzen reichlich versteht, die er theils aus den Schriften des Porphy-rins, des Bocthins, des Johannes Damascenus, des Psendodionystns,der beiden Viktoriner, des Avicenna »nd des Gilbertns Porretannsgeschöpft, theils eigenen Forschungen verdankte.
Das erste hiehcr gehörige Buch des Albertus handelt von denPrädikabilien, wobei die Einleitung des Porphyrins zu den Ka-tegorien des Aristoteles besonders benützt ist. Im Eingänge sucht Al-bertus die Ehre der Logik als Wissenschaft durch den Nachweiszu retten, daß sie etwas allen Wissenschaften Gemeinsames, Allgemei-nes, erforsche und lehre. Allen Wissenschaften ist nämlich das Bestre-ben gemeinsam, ans dem Bekannten das Unbekannte zu suchen. Allehaben somit den Schluß gemeinsam. Da nun die Logik gerade vomSchluffe handelt, von seinen Elementen und Gesetzen, so hat sie ein
1) Auch Ritter vcrtheidigt den Albertus gegen solchen Schimpf Band VIII,S. 191.
2) Auch die Rhetorik hat er nach Obigem commentirt. Doch ist diese Schriftungedruckt geblieben. Man hielt sie nicht für gleichwichtig den andern.
Sighart, Albert d. Große. 20