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Kapitel XXXIX.
Kapitel xxxix
Die Wissenschaft des seligen Albertus.
Nachdem wir die fast unendliche Reihe der Schriften nnsers Mei-sters aufgesührt, übrigt noch, den allgemeinen-Inhalt dieser Bücher zuschildern, eine Charakteristik der wissenschaftlichen Leistungen des Al-bertus zu geben.
Bereits in früheren Abschnitten haben wir von der Stellung desAlbertus zu den wissenschaftlichen Bestrebungen der Vorzeit, von derdurch den großen Lehrer übernommenen und gelösten Aufgabe ge-sprochen, auch den Charakter der meisten theologischen Schriften inKürze geschildert und in Auszügen zur Anschauung gebracht. Jetzthandelt es sich nur darum, ein Gesammtbild seiner Forschungen undgeistigen Errungenschaften (zumal aus philosophischem Gebiete) zu ge-ben, hervorzuheben, was Albertus in den einzelnen Wissenschaften ge-leistet hat. Es kann uns nicht zugemuthet werden, das ganze Systemdieses Scholastikers, alle seine Lehren zusammenzustellen, da wir jawissen, daß er sich in der Philosophie größtentheils an Aristoteles an-lehnt, daß er im Großen und Ganzen das System des Stagyritenadoptirt, und nur das dem christlichen Glauben darin Widersprechendeoder überhaupt Mangelhafte verbessert und ergänzt hat. Wir müßtensonst das gesammte System des Aristoteles auch in dieses Buch auf-nehmen, was gewiß nach den meisterhaften Darstellungen desselben beiRitter, Brandiß, Zeller u. A. überflüssig wäre. Wir werden also fastnur das dem Albertus Eigenthümliche, worin der christliche Denker denAristoteles corrigirt oder ergänzt, also seinen Fortschritt über Aristo-teles und über seine andern Vorgänger zur Darstellung bringen. Ebensowerden wir in der Theologie das Allgemeingültige, den meisten LehrernGemeinsame, das sich auch bei Albertus findet, wenig berücksichtigen,während wir seine Eigenthümlichkeiten, das ihm specicll Gehörige,seine Ansichten über lange oder noch unentschiedene Streitfragen inKürze mittheilen werden I.
Wir wissen, der Grundgedanke, welcher aller Scholastik, ja der
1) Wir benützen hiebei die gedruckten Bücher des Albertus, die für diesen Zweckgewiß genügen. Die Citationen sind immer nach der Gesammtausgabe der Werke desAlbertus von Jammy.