Wie die Menschen das Andenken des sel. Albertus feierten. 281
diesem Zeitalter herbeiströmten und wenigstens mittelbar auch die ganzeübrige Philosophie der Vorzeit sich anzneignen, ohne dennoch von die-sen Massen der Neberliefcrnng sich überwältigen zu lassen. Die Er-klärungen, die Albert auch zu den heiligen Schriften, zum Petrus Lom-bardns schrieb, seine Summe der Theologie, seine erbaulichen Schrif-ten könnten vielleicht dieser großen Ausgabe fremd scheinen, aber siegeben Zcugniß von dem Geiste, in welchem er die Ucbcrlieferung deralten Philosophie anszuhalten vermochte, ohne sich von ihr fortreißenzu lassen. Es kam nicht bloß darauf an, die Philosophie des Aristo-teles zu kennen und abznschätzen, sondern der größere Theil der Arbeitbestand darin, sie in den Gedankenkreis einzuführcn, welcher sie in derabendländischen Christenheit erwartete. Das hat Albert der Großegethan; ihm ist* die aristotelische Philosophie keine fremdartige Ueber-liefernng; er weiß, was von ihr gebraucht werden kann, was zu ver-werfen ist. Ebenso stellt er sich den arabischen Aristotelikern und demPlato gegenüber. Wir müssen es gestehen, daß er eine Aufgabe ge-löst hat, deren Lösung man kaum von einem Menschen erwarten möchte.Alle spätere Philosophie des Mittelalters beruht auf seinen Erfolgen."Später sagt Ritter abermals: „Wir erkennen an ihm einen Mann,der durch Fleiß und Selbstständigkeit der Forschung für seine Zeit inder Geschichte der Naturwissenschaften einen ausgezeichneten Rang be-hauptet. — Fügt man hinzu, daß er darüber die dialektischen Unter-suchungen und sein System der Theologie keineswegs vernachlässigte,so wird man den umfassenden Geist des Mannes zu würdigen wissen.In dieser Hinsicht ist ihm kein Scholastiker zu vergleichen. Thomasvon Aguino und Duns Scvtns haben sein theologisches System inSchatten gestellt, Roger Bacon hat ihn vielleicht in scharfsinniger Er-forschung der Natur mittelst der Mathematik übertroffen; aber allediese Männer benutzten seine Vorarbeiten und keiner von ihnen hatbeide Seiten der Forschung so znsammenznhalten gewußt, wie er." Sourtheilt Heinrich Ritter.
Alexander von Humboldt, der rnhmgekrönte Fürst der mo-dernen Naturwissenschaft, der in seinen Forschungen oft der Gestaltunsers Albertus begegnet, weiht seinem Andenken öfters warme Worteder Anerkennung und selbst der Bewunderung.
So sagt er in seinem trefflichen Werke über die historische Ent-wicklung der geographischen Kenntnisse von der neuen Welt'): „Albertder Große zog es bereits durchaus nicht in Zweifel, daß die Ober-
1) Deutsch von Jdeler, Berlin 1852. I. Bd. S. 66.