Wie die Menschen das Andenken des sek. Albertus feierten. 267
weil derselbe das etwas beschädigte Porträt des seligen Albertus, in dasLeder eingepreßt, an der Vorderseite zeigt. Der Selige erscheint daiin bischöflichen Ornate ans einem Stuhle sitzend, mit gesenktem Haupte,als ob er in der Entwicklung eines Lehrsatzes begriffen wäre. DasGesicht ist ernst, ganz charaktervoll, markirt, etwas breit, bartlos, dieNase kräftig, die Lippen sind enggcschlossen, die Augen voll Feuer undAusdruck. An der ganzen Ausführung der Gestalt, an den Ornamen-ten und dem eckigen Faltenwurf erkennen wir übrigens leicht, daß die-ser Einband sammt dem Bilde nicht der Zeit des Albertus selbst an-gehöre, sondern erst dem fünfzehnten Jahrhundert. Während der Mei-ster selbst nach dem Zeugnisse des Rudolph die kostbaren Einbände derBücher vermied, wurde also später seiner Handschrift ans Verehrungeine so glänzende Außenseite gegeben.
So viel von dieser merkwürdigen Reliquie unsers großen Mannes.
Außerdem ist in Köln noch jener Becher des Albertus bewahrt,von dessen scheinbaren Zaubcrwirkungen wir früher schon gesprochenhaben Z.
Eigenthümlich ist, daß selbst die Herrschaft der Franzosen in Kölnam Anfang unsers Jahrhunderts das Andenken an Albertus ehrendzu erneuern gesucht hat. Im Jahre 1811 wurde nämlich auf höhereAnordnung die Stolkgasse, wo einstens Albert in so gesegneter Weisegewirkt und wo das alte Prcdigerkloster gestanden, mit dem Namender Albertsstrasse sltirs ^.Idsrt 1s 6nun<1) belegt Z.
Das Hauptmouument dieser Strasse, die Schöpfung des Albertus,der Dominikancrchor sammt der ganzen Kirche, fiel leider im erstenJahrzehnt unsers Jahrhunderts vor den Streichen der Zerstörer, wiean achtzig andere Stifter und Klöster der edlen Stadt Köln unter-gingen. Eine Artilleriekaserne prangt jetzt an dieser Stelle. Damalsist auch das herrliche Hochgrab des Albertus zertrümmert worden. Alsman hiebei den Sarkophag öffnete, zerfielen die Gebeine größtentheilsin Staub, nur der Ornat und ein Theil des Stabes blieben erhalten.Alle diese Reliquien wurden sofort in die nahe Stiftskirche vonSt. Andreas transferirt.
Die Reliquien der Gebeine, sowie die zwei Stücke des Stabes
1) S. 82. Er war früher im Schatz des Kölner Predigerklosters, kam dann
in den Besitz des Hrn. Hofraths vr. Lomes z» Cochheim an der Mosel, der ihnim I. 1847 an das städtische Museum abtrat. Die spätere Inschrift lautet: 80ktt?III78L. OW.
2) Bianco S. 56.