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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXXV.

Mitra, in deren Mitte ein großer Edelstein wunderbar glänzte undmit seinem Lichte die ganze Kirche erleuchtete; in seine Gewände wa-ren aber viele Edelsteine eingesügt. Der Bruder, der das sah undvor Staunen über diese wunderbare Erscheinung säst erstarrte, erkannteden Albertus und fragte, wie es ihm gehe. Jener antwortete aber:Gar gut, v mein Sohn! Die menschlichen Sinne sind nicht fähig, dieHerrlichkeit und Klarheit zu fassen, womit mich der Herr in seiner Huldgeschmückt hat; diese leibliche Schönheit läßt es nur ahnen. Die leuch-tenden Strahlen, die vom Edelstein über meiner Stirne reichlicher aus-strömcn, bedeuten die unsägliche Glorie, die ich besitze. Die an-dern Edelsteine aber sind die vielen Bücher und Werke über dieSchrift, die ich zur Vertheidigung des Glaubens und zur Nachweisungder göttlichen Weisheit durch Gottes Gnade ansgelegt habe. Undwie ich im Leben Viele von der Finsterniß der Unwissenheit zum Lichtder Wahrheit und der göttlichen Erkenntniß geführt habe, so gestattetemir der Herr auf meine Bitten, sechstausend Seelen von den Peinendes Reinigungsortes zu befreien. Darauf verschwand er.

In Trier starb eine edle Frau von Vilsarbrück, die bis in ihr achtzig-stes Jahr dem Herrn in Reinheit und Unschuld gedient hatte. FünfzehnTage später erschien sie ihrem Beichtvater Theodorich, Lektor der Brüderzu Trier, grüßte ihn freundlich und gab ihm die Versicherung ihrer Se-ligkeit im Genüsse Gottes. Darauf fragte sie der Bruder: Kennst duden Meister Albertus, der kürzlich zu Köln bei den Predigerbrüderngestorben ist? Jene antwortete: Gut kenne ich ihn. Der Lektor sprach:Wo ist er? Da erwiederte jene: Er erfreut sich einer unaussprechlichenFreude, gar weit ober uns.

Eine Aebtissin der Cisterzienserinnen in Deutschland betete mitihren Schwestern viel für den kürzlich gestorbenen Albertus, weil ersie im Leben durch seine Wissenschaft und Mahnung häufig zum Gutenangeleitct hatte. Als diese Aebtissin an einem Morgen ein wenig ein-geschlnmmert war, sah sie den Albertus vor dem Altäre, bereit demVolke zu predigen, aber in der Luft stehend. Da rief sie voll Angstaus: Weh! der Bruder Albertus fällt, weil er keinen Sockel hat.Aber eine nahestehende ehrwürdige Person sagte ihr: Der Bruder stehtfest, er kann nicht mehr fallen. So getröstet, lauschte sie auf seinePredigt. Und er fing an: Im Anfang war das Wort und das Wortwar bei Gott, und fuhr fort bis: Voll der Gnade und Wahrheit.

1) Prussir S. 325.