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Kapitel XXXIV.
Bericht zu Grunde liegt, daß in den letzten drei Jahren das Gedächt-nis des Meisters nachgelassen, immer reicheres Blätterwcrk entfaltet.Die späteren Legendenschrciber haben dann größtentheils die Erzählungdes Baleoletanus und Prussia nur wiederholt. Wir werden daher ge-gen die historische Wahrheit nicht verstoßen, wenn wir dem kritischenEchard, einem Ordensgenossen, beistimmen, der hierüber also urtheilt:„Daß ein Mann von 84 Jahren, der durch Nachtwachen, Fasten undbeständige Studien geschwächt und gebrochen war, endlich das Gedächt-niß verloren habe und, wenn man will, wieder ein Kind geworden, dasist nichts Wunderbares und Seltenes, das gehört zur menschlichenGebrechlichkeit, so daß man nicht nothwendig hat, zu Visionen undWundern seine Zuflucht zu nehmen, wovon auch der ältere Tholomäusde Luca noch nichts weiß Z."
So viel also ist gewiß, daß der ehrwürdige Meister Albertusetwa die letzten drei Jahre Z entweder plötzlich in Folge eines Schlag-flusses oder allmählich das Gedächtniß für die Zwecke der Wissenschaftverloren. Es kommt diese Erscheinung bei Greisen öfter vor, daß siedie Erinnerung an das, was sie durch rege Anstrengung aller Kräfteauf dem Markte des Lebens errungen, wieder verlieren, und nur dasGedächtniß an die Tage der Kindheit und an die Heilswahrheiten biszum Ende bewahren Z. Albertus mußte also gleichfalls diesen Tributder Sterblichkeit erlegen und betrachtete dieses Schwinden des Ge-dächtnisses als den Gottesruf, der ihn vom Lehramte, das er überfünfzig Jahre mit so hohem Ruhme bekleidet, abzulassen heiße. Erlebte jetzt nur mehr für Gott und sein Heil.
Darüber berichten nun die Kölner Schriftsteller also: Als der
was glaubst du, werde ich dich sehen? Werde ich in diesem Orden bleiben dürfen? Undals er das mit großer Rührung oft gesagt, hörte er eine Stimme, die sagte: Duwirst mich sehen und im Orden ansharren!" Aus dieser Erzählung hat die Sage,poetisch wie sie ist, den genannten Zug dem Bilde des Albertus bcigcfügt, indem siedas von ihm Erzählte als ihm selbst Begegnetes annahm. — Vgl. S. 234 derVita Xlberti des Prussia.
1) Leri^tor. Or<Z. Vom. I, 170.
2l Im Jänner des I. 1278 schrieb er sein Testament, wo er sich noch ganz ge-sund an Leib und Seele nennt. Im November 1280 starb er, so daß jenes Nach-lassen des Gedächtnisses bald nach der Entstehung des Testaments muß eingetre-ten sehn.
3) Der große Newton vergaß am Ende auch völlig seine bewunderungswürdigenEntdeckungen auf dem Gebiete der Naturwissenschaft und ebenso Kant alle seine scharf-sinnigen kritischen Untersuchungen.