Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
246
Einzelbild herunterladen
 

246

Kapitel XXXIII.

und ihrer Verdienste ist von Ewigkeit vorausgesehen, so daß Gutesund Böses, Eigenes und Fremdes, Glück und Unglück mithclfen mußzu ihrem Heile, ja daß gerade die Leiden sie glorreicher und erprobtermachen müssen. Darum wollen wir Alles und Jedes mit vollem Ver-trauen ganz der göttlichen Vorsehung überlassen."

So hat Albert in diesem lieblichen Büchlein, nachdem er selbst sichschon vollends losgeschält von allem Geschaffenen, auch Andern dieseneinzigen Weg des Heiles und der Vollkommenheit auf leichte, anmu-thige Weise gewiesen. Es ist eine würdige Krone seiner schriftstelleri-schen Laufbahn!

Kapitel xxxm

Das Testament des seligen Albertus.

Immer mehr ahnte Albertus, daß die Stunde des Heimgangeszum Herrn herankomme, obwohl er noch in ungetrübter Kraft desGeistes und Leibes dastand. Er wollte darum zur rechten Zeit auchnoch über das Zeitliche verfügen, was ihm ohne sein Suchen auf denWegen des Lebens zugefallen, wie wir oben gesehen. Er wollte Sorgetragen, daß der Chor der geliebten Klosterkirche, dessen Bau er bewirkt,auch nach seinem Tode fortgebaut und vollendet werde. Er wollte, daßdie kostbare Sammlung feiner Bücher, die er mit so großer Mühe undAufopferung während seines langen Lebens zusammengebracht, nichtverschleudert und zerstreut werde, sondern reichliche Frucht bringe. Erwollte den Klöstern, die ihn seit Langem mit besondrer Liebe gepflegt,oder die besonderer Hilfe bedurften, einige Schenkungen zuwenden.Darum fetzte er seine letzte Willenserklärung auf und ließ sie durchwürdige Zeugen bestättigen und besiegeln. Dieses merkwürdige Doku-ment ft, dessen Abschrift erst vor einigen Jahren wieder gefunden wor-den, lautet aber in deutscher Uebertragung also:

1) Es ist eines der großen, zahlreichen Verdienste unsers bayrischen Bibliothe-kars und Professors Schmeller, aus den noch unbekannten Schätzen der MünchenerHofbibliothek dieses hochinteressante Dokument hervorgehoben und bekannt gemacht zuhaben. Er fand es im Anhang des dem Albertus zugeschriebenen Werkes 8ummanaturalium (nicht ungedruckt, wie Schmeller meint, sondern gedruckt unter demTitel' Libiia xanpsruin), geschrieben von einem Mitgliede des BenediktinerstistesSt. Ulrich in Augsburg, P. Narcis Pfister, der es in Köln vom Original copirte,