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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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245
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Die letzten Schriften des sel. Albertus. 243

heidnische Weise. Der Philosoph betrachtet seinetwegen, darum strengter seinen Verstand an; sein Ziel ist nur Erkenntniß, Wissen. Aberder Christ betrachtet ans Liebe zu dem, den er betrachtet, zu Gott;darum ist sein letztes Ziel nicht bloß Verstandeserkcnntniß, sonderner geht aus Liebe zu heiligen Affekten über."

Dann belehrt uns Albertus, wie fühlbare Andacht nicht so sehrzu verlangen ist, als Gleichförmigkeit des Willens mit Gott'); diesesei das Eine Nothwendige. Sofort zeigt er, wie man sich in Ver-suchungen und Leiden zu verhalten habe.Der Diener Christi sollaushalten im Angesichte seines Herrn, und nicht fvrtlanfen, unwilligwerden, murren und klagen über einen Mückenstich, wie eine kleineVersuchung, Verdacht, Trübsal, Verleumdung oder ein andres Leid ist.O wenn man nur ein einzig Mal die Hand des guten Willens zuGott erheben würde, würden alle diese Fliegen verscheucht. Wahrlich:Frieden haben alle Menschen, die guten Willens sind."

Dann belehrt uns der greise Lehrer, wie nothwendig das Gebetsei und wie es beschaffen scyn müsse.Da wir zu allem dem undzum Guten überhaupt ans uns unvermögend sind, und da wir Gottnichts bieten können, was nicht zuerst sein ist, müssen wir immer undüberall bitten, wie er durch seinen gebenedeiten Mund und durch seinBeispiel uns gelehrt hat und zwar als Schuldige, Elende, Arme, Bett-ler, Kranke, Hilflose, Unterthanen, Knechte und Kinder, als solche, dieganz an sich verzagen; mit tiefer Demuth, in Furcht und Liebe, mitSammlung und Ordnung, mit wahrer und nngehenchelter Reue, mitgroßem Verlangen, mit Seufzen des Herzens, mit Einfalt des Gemü-thes und mit vollem Vertrauen wollen wir ihm die uns überall um-gebenden Gefahren vorstellen, doch so, daß wir frei, sicher und fest unsbis zum Ende ihm ganz überlassen und aufopfern

Sofort führt er noch die Gewissenserforschung, die Selbstvcrach-tung und den Blick auf die göttliche Vorsehung als treffliche Mittelan, um sich unbedingt Gott dem Herrn zu überlassen, wie das Kindden Armen der Mutter sich sorglos hingibt. In letzterer Hinsicht sagter noch:Seien wir getrost, wir haben das selige Wort des Apostels:Der Herr kennt die Seinen, und es ist unmöglich, daß einer derselbenverloren gehe in Mitte der Anfälle und Stürme, der Jrrthümer, Acr-gerniffe, Spaltungen, Verfolgungen, der Zwietracht, Häresie, Verwir-rung, Unglück und Versuchungen. Denn die Zahl seiner Erwählten

1) Kapitel X.

2) Kapitel XIII.