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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXXII.

Ergüsse der Andacht, die wir bei letzteren finden, so hat Albert dafürden Vorzug der völligen Klarheit, Bestimmtheit und Schärfe der Dar-stellung, was wohl eine Frucht seiner scholastischen Studien ist.

Albertus geht sofort an die Schilderung, wie die Seele, die nachhöherer Vollkommenheit strebt, ihre Erkenntniß, ihren Willen und ihrGemüth reinigen müsse von Allem, was nicht Gott ist, wie sie sichinnerlich sammeln, wie sie sich in jedem Ereignisse ganz Gottüberlassen und immer unverrückt auf ihn blicken müsse.Nichts darfdich, o Seele! mehr beunruhigen, weder die Welt, noch ein Freund, we-der Glück noch Unglück, weder Gegenwart, noch Vergangenheit, nochZukunft, weder an dir noch an andern Menschen. Nicht einmal deineSünden der Vergangenheit sollen dich ängstigen über Gebühr, son-dern denke in Einfalt des Herzens, du seiest mit Gott schon außerhalbder Welt, deine Seele sei schon in der Ewigkeit getrennt vom Körper,und kümmere dich dann nimmer um die zeitlichen Dinge, um den Zu-stand der Welt, um Krieg oder Frieden, um schönes oder regnerischesWetter, sondern suche Gott allein völlig gleichförmig zu werden, ihmzu leben, ihm anzuhangen

Dann wird die Beschauung (oontampsiatio) Gottes als vorzüg-lichste Uebung gepriesen.Es kann keine Betrachtung (sei es mit demVerstand, sei es mit dem Gefühle) nützlicher, vollkommener und be-glückender seyn, als die Gottes selbst, des Schöpfers, des höchsten undwahren Gutes, von dem, in dem, durch den und für den Alles ist;der sich und Allen unendlich genügt; der alle Vollkommenheiten in sichvon Ewigkeit ganz rein vereinigt; in dem Nichts ist, was nicht er selbstist; der die Ursache aller vergänglichen Dinge ist; in dem, welcher derunveränderliche Ursprung aller veränderlichen Dinge ist; in dem dieewigen Formen aller vernünftigen, vernunftlosen und zeitlichen Wesenleben; der Alles erfüllt; der Alles und Jedes mit sich wesenhast erfüllt;der jedem Dinge innerlicher und näher ist, als es sich selbst ist; indemAlles vereint ist und ewiglich lebt Z.

Dessen Betrachtung sei also das höchste Ziel. Aber dennoch ge-stattet Albertus den schwächeren Seelen, auch auf die Kreaturen ihrenBlick zu lenken, um von da sich zum Kreator zu erheben und sich sozu dessen Liebe zu entzünden. Doch müsse hiebei immer die Zunahmean der Erkenntniß und Liebe Gottes das Ziel aller Forschung bleiben.Denn," sagt er,anders betrachtet der katholische Christ, anders der

1) Kapitel VIII.

2) Kapitel IX.