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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Kapitel XXXII.

Hinsicht den himmelanstrebenden, ans tausend gleichsam organischen Ge-bilden einheitlich emporwachsenden grandiosen Kathedralen der Gothik,die dasselbe glorreiche Jahrhundert geschaffen, die in vielem Bezug mitjenen Summen der Gvtteswisscnschast zu vergleichen sind und gleich-falls säst alle nicht zur Vollendung gelangten!

Mit der Fortsetzung oder Ueberarbeitnng und Verbesserung diesesseines Hauptwerkes über die theologische Wissenschaft war also Alber-tus noch in den Jahren seines höchsten Greiscnalters (von 12751278)beschäftigt, wie die Biographen berichten. Aber nebenbei hat er, wohlzur Erholung von den Anstrengungen des Lehramtes, zur Erbauungseiner Brüder und zur Vorbereitung ans den nahen Heimgang, einkleines ascetischcs Schriftchen Z verfaßt, welches uns den großen Mannso recht im Glanze seiner sittlichen Reife, seiner vollendeten Demuthund Losschälnng von allem Irdischen kennen lehrt, so daß wir auchden Inhalt desselben in kurzen Umrissen schildern wollen. Wenn dieLektüre der Summe unsre Bewunderung vor dem großen Manne stei-gert, muß diese unsre Liebe und Ehrfurcht zu ihm vermehren.

Nach dem oben angeführten Zeugnisse der alten Biographenwar das kleine Büchlein über die Weise, wie man Gott anhän-gen soll 2 ), die letzte Schrift, die Albertus in diesem Erdenwandelvollendete. Er selbst spricht sich am Eingänge über den Grund undInhalt dieses goldenen Büchleins also ans:Da ich zu guter Letzt,so weit es auf dieser Pilgerfahrt und in diesem Lande der Verbannung

1) Ein analoges, treffliches Schriftchen der Art ist das bekannte: karaäisnsanimae, oder Lirclriiiäioii äs vii'tuübus veri8 et perlestis bei Jammy Bd. XXI.I. I. 1823 vom seligen Bischof Sailer neuedirt für den Klerus der Diöcese Negens-burg. Negcnsb. NotcrmunL. Wann Albert dieses geschrieben, ist nirgends angedcutet.Uebrigens enthält es eine anmuthige Untersuchung über das wahre Wesen der ein-zelnen Tugenden.Es ist nothwendig, sich darüber aufzuklären," sagt Albert.Dennwie man mit schlechten Münzen nichts Gutes erkansen kann, so auch nicht mit schein-baren Tugenden das Himmelreich." Am Schluffe sagt er voll Demuth:Ich bekennedir, o heiligster Gott, mit allen Thranen und Blutstropfen deines geliebtesten Soh-nes, daß ich noch nicht zum Anfang einer Tugend gekommen, die ich hier in ihrerVollkommenheit geschildert habe." Und für die Leser bittet er:Gib dem, der diesesliest, oder darüber nachdenkt, o Gott, wenigstens Eine wahre und vollkommene Tu-gend. Denn ich bin gewiß, wer Eine von dir erhält, wird alle erlangen. Wer inEiner zunimmt, nimmt in allen zu, wer in Einer zurückgeht, geht in allen zurück,wer Eine nicht hat, hat alle nicht, weil alle vereint sind in der Gnade. AmenI"

2) I)s aäkaereiiäo äeo. Bd. XX bei Jammy. Eine freie Uebersetzung erschienvon Casscder- Köln bei Heberle 1851.