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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Der sel. Albertus am Concil zu Lyon.

besiegt und zum Widerruf gebracht. Auf feine Rede wagten alle Geg-ner der Wahrheit, wie vom Blitz getroffen, sich nicht mehr zu regen,wie die quackeuden Frösche beim Donner des Himmels verstummen."

Aus diesem Berichte scheint hervorzugcheu, daß die Griecheneinige Jrrthümer behaupteten, zu deren Aufgcbung sie gezwungenwurden.

So viel aber aus den Akten jenes Concils erhellt, wurde aufdemselben keine Verhandlung mehr über die Irrlehren der Griechengepflogen, da sich diese vom Tage ihrer Ankunft an im Namen desKaisers bereit erklärten, den ganzen unverfälschten Glauben zu beken-nen, wie ihn die römische Kirche sesthält. Es ist also nur eine dop-pelte Annahme möglich. Entweder fanden in den Wochen vor derAnkunft der Griechen Verhandlungen über ihre Irrlehren Statt, wo-bei man die Punkte festsetzte, zu deren Widerruf sie genöthigt seynsollten '). Oder es wurden während der Dauer des Concils selbstvon den anwesenden Lehrern der Theologie öffentliche Disputationen,eine Art geistiger Tournicre, veranstaltet, wobei die wirklichen oder dieihnen aufgebürbcten, irrthümlichen Ansichten der Griechen Gegenstandder Besprechung waren. Ob die griechischen Theologen selbst jeneAnsichten über die Unzucht?) aufstellten und mittelst der Dvllmetschervertheidigten, können wir nicht entscheiden. Doch scheint der Wortlautdes Berichtes unsers Albertus, der sie bekämpfte und mit trefflichenGründen widerlegte, für diese Annahme zu zeugen.

Auf diese wenigen Aufschlüsse ist also unsere Wißbegierde be-schränkt in Bezug auf die Theilnahme unsers alten Lehrers am ruhm-reichen Concil zu Lyon. Doch wenn nur als historische Wahrheit fest-steht, er habe sich zu jener fernen Kirchenversammlung noch begeben,so ist dieß ein wichtiger Beitrag zur Charakterisirung unsers Meisters

1) Aus einer Predigt des hl. Bonaventura, sowie aus dem Umstande, daß derhl. Thomas ein Buch gegen die Jrrthümer der Griechen mitbringen wollte, scheintdieses hervorzugehen. Uebrigens ist in den Akten des Concils Vieles nicht erwähnt,so z. B. nicht die Sammlung für den Dombau zu Negensburg. Vgl. Schuegraf,Gesch. d. Domes I, S. 82.

2) Es ist dem ganzen Charakter der händelsüchtigen, spitzfindigen und nichteben sittenreinen Griechen jener Zeit wirklich nicht entgegen, wenn man die Nach-richt, sie hätten jene Sünde, weil sie ein Naturale wäre, nicht für bedeutend ge-halten, als Wahrheit annimmt. Albertus bekämpft sie in jenem Artikel der Summetrefflich, indem er ausführt, nativa naturalia iir Nomine sunt oräinancla le^e, ei-vilisatione et ratiouo, yuia ratio est natura torinaiis Irominis etc. Lurnmae II,18,22. U. 550.