Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
222
Einzelbild herunterladen
 

222

Kapitel XXX.

der Kirche, ist eben aus dieser Welt zum Herrn heimgegangen! Under vergvß viele Thränen und seufzte auf, daß feine Wanderschaft solange währe. Er zeigte dadurch, daß er das Ewige und Himmlischemehr liebe, als das Leben in dieser Zeit').

Die Brüder staunten über diesen Ausspruch des Meisters undbeachteten genau Tag und Stunde. Und als später Boten die Nach-richt vom Tode des hl. Thomas brachten, fand sich, daß Albertus zurselben Stunde jenen Ausruf gethan, in welcher Thomas aus der Weltgegangen war Z."

Bei dem innigen Zusammenhänge dieser zwei Seelen, die von dem-selben Lichte erleuchtet waren, in gleicher heiliger Liebe erglühten, woder eine gewissermassen der Abglanz und die Ergänzung des Andernwar, da Thomas so viele Jahre an der Seite des Meisters Albertusgelebt, aus dem Brunnen seiner Wissenschaft getrunken und mit demvon Jenem empfangenen Kapital des Wissens gewuchert hatte, ist esfast natürlich, daß der Tod des einen auch im Leben des andern em-pfunden wird, daß die harmvnircnde Saite wehmüthig nachklingt, wenndie eine Saite zersprungen.

Die Biographen erklären übrigens dieses Fernschancn als gött-liches Geschenk, als eine Gnadenosfeubarnng an Albertus, indem sie sagen:Gott der Allmächtige hat, während er den hl. Thomas zur himmlischenGlorie erhob, es zugleich dem seligen Vater Albertus angezeigt, umihm dadurch gleichsam die Gewißheit zu geben, daß sie, die auf Erdengleich in der Erleuchtung und Liebe gewesen, auch dort sich in gleicherGlorie der göttlichen Anschauung erfreuen dürsten -Z."

Wie sehr übrigens der greise Lehrer an seinem HeimgegangenenSchüler Thomas hing mit aller Gewalt der Liebe jener Zeiten, wiefrei von aller Eifersucht er auf die ihn selbst verdunkelnde Größe und denGlanz seines Zöglings hinblickte, sehen wir noch aus einigen Aussagendes Bruders Hugo von Lucca, der damals mit Albertus im Klosterzu Köln gelebt hat Z.

1) Wörtlich nach Rudolph. Fast mit denselben Worten erzählt das EreignißPrusfia (S. 278), indem er sich auf die Legende des hl. Thomas und auf die Chro-nik des Paters Antoninus beruft. In den Prozeßakten des hl. Thomas heißt esübrigens nur: Xldertus, qui luerat äoetor ezus, auäiens inortein ipsius, ^loravittune lortiter et ^uotiesoungue auäiedat Posten memortam efus, ploradat.

2) Rudolph.

3) Ebend.

4) Dgl. Xota 8anotor. Mens. Nartius XII. p. 714. ?roeessus äs vitu8t. 3?Iromas X.Huinatis.