Der sel. Albertus verkündet den Tod des hl. Thomas. 221
auf dieser ehrwürdigen Versammlung sür die Sache des heiligen Lan-des mit Nachdruck gewirkt werden. Dann aber hatte man alle Hoff-nung, daß die Griechen, welche seit Langem in unseliger, verderben-bringender Spaltung mit der abendländischen Kirche gelebt, wieder zurheiß ersehnten Eintracht, znm Anschluß an die römische Kirche gebrachtwürden. Der Kaiser des griechischen Reiches, Michael Palävlogus, inharte Bedrängniß durch seine Feinde versetzt und vom AbendlandeHilfe hoffend, zeigte große Neigung zur Rückkehr in den Schoos derkatholischen Kirche, auch der Patriarch und viele Bischöfe schienen dar-nach zu verlangen.
Und so schrieb Papst Gregor X., voll heiliger Sehnsucht, dieselvsgerisscnen Zweige wieder mit dem lebendigen und lebenspenden-den Stamme der katholischen Kirche zu vereinigen, ein Conciliumaus am 13. April des Jahres 1273 und lud alle Kirchenfürsten, sowieauch alle Könige und Machthaber der Christenheit dazu ein. Um aberbei der hochwichtigen Berathung der vorkommenden Streitfragen nichtder erleuchtetsten Lehrer zu entbehren, nahm der Vater der Christen-heit selbst den hl. Bonavcntura, den er eben zum Cardinal ernannthatte, mit sich nach Lyon. Aber auch das andre große Licht der Kirchejenes Jahrhunderts, der Engel unter den Lehrern, Thomas von Aguinv,der würdige Schüler des Albertus, sollte nicht fehlen. Darum ergingauch an ihn, als er eben in Neapel als hvchberühmtcr Lehrer an derHochschule wirkte, der Ruf des Papstes, sich beim Concilium einznfinden.Und obgleich bereits von herber Krankheit gebeugt und entkräftet vomUebcrmaße der Anstrengungen, machte er sich doch im Geiste des treue-sten Gehorsams ohne Widerrede in Begleitung von Brüdern auf denWeg, indem er das Buch mit sich führte, das er auf des Papstes Ge-heiß gegen die Jrrthümcr der Griechen geschrieben hatte. Doch schonnach einigen Tagreisen, als er durch Campagnien reiste, war er durchdie Zunahme der Krankheit genöthigt, in einem nahen Kloster desCisterzienserordens, Fossanova genannt, liegen zu bleiben.
„Hier war es," sagt Rudolph, „wo Thomas, der dem seligen Va-ter Albertus in Allem gleichgestaltete Schüler in Christo, auf GottesGeheiß ans dieser trüben Welt hinging, um mit den Engeln zu lebenin der Glorie des Himmels. Er starb am 7. März des Jahres 1274.
Zn derselben Stunde, wo Thomas diese Zeitlichkeit verließ, saßder ehrwürdige Albertus gerade zu Köln mit andern Brüdern zu Tischund fing plötzlich zu weinen an. Als der Prior sammt den Brüdernin ihn drang, die Ursache seiner Thräncn ihnen anzugcben, antworteteer: Bruder Thomas, mein Sohn in Christo, das helllenchtende Gestirn