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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Kapitel XXX.

gelten. Das geistige Leben unsers Albertus entfaltet sich vor Allemnach der Richtung des Denkens hin; sein Geist durchzieht aus denwunderbaren Schwingen des Gedankens alle Regionen der Wissenschaftvon Gott und den Creatnren, die kühnsten Probleme, vor deren Be-handlung unsere Dcnkkrast schwindelnd steht, so daß wir nur mitMühe nachzudenken vermögen, was er vorgedacht, faßt er mit heiligerRuhe und mit unbeugsamen Muthe an und bringt sie mit höchsterAnstrengung des Verstandes und mit Aufbietung alles Scharfsinnesmeist zur glücklichen Lösung. Und mit der reichen Beute, die er vondiesen beständigen Aufflügen des denkenden Geistes heimgebracht,füllt er dann als Schriftsteller die Schatzkammer seiner Werke, über zwan-zig Folianten!

Nachdem er so mehr als ein halbes Jahrhundert auf diesemGebiete des Gedankens fast ununterbrochen gearbeitet, ist er nochso voll kindlicher Liebe gegen Gott und seine Heiligen, zeigt er nochso innige Pietät gegen die Werkzeuge der Erlösung und gegen dieReliquien der Märtyrer, wie ein Kind, das die Lehren des Heiles erstkürzlich mit zweifellosem Glauben aus dem Munde der frommen Mut-ter ausgenommen, oder wie der einfältige Landmann, der mehr aufeinen natürlichen Instinkt hin ohne Grübeln an Allem mit Liebe hängt,was ihn an das Leiden des Heilandes gemahnt.

Das lange unermüdete Forschen hatte also den höheren, überna-türlichen, alleinbeseligenden Glauben in der Seele unsers Albertus nichterstickt, die stete, fast übermäßige Anstrengung der Denkkraft hatte dieGlut seiner kindlichen heiligen Liebe nicht ausgelöscht.

Kapitel xxx

Der selige Albertus verkündet den Tod des fernen Druders Thomasvon Aqnin und geht zu dessen Vertheidignng nach Paris.

Während der greise Albertus, wie wir gesehen, mit der Auffüh-rung eines stattlichen Chorbaues bei seinem Kloster zu Köln und mitErbauung der Seelen durch Wort und Schrift beschäftigt war, berei-tete sich ein großes Ereigniß in der Gesammtkirche vor. Es sollte wie-der ein allgemeines Concilium der Christenheit gefeiert werden, undLyon war wegen der passenden Lage in der Mitte der christlichen Län-der des Abendlandes als Versammlungsort gewählt. Vor Allem sollte