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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
219
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Der sel. Albertus erbaut und schmückt den Chor der Prediger. 219

bei den Leibern dieser heiligen Jungfrauen zu finden pflegt. Dersüßeste Wohlgernch war an dem Orte ansgegvsscn. Der Prior, unge-wiß, was er in einer so wichtigen Sache thun sollte, säumte nicht, sichRath zu erholen. Da nun damals Albertus, der Bischof von Re-gensbnrg, Mitglied des Prcdigervrdens und Lehrer der Theologie,der in göttlicher und menschlicher Wissenschaft keinen Zweiten nebensich hatte, sich gerade in Köln aufhielt, das er, von Alter gebeugt, sichzum Orte der beständigen Ruhe erwählt hatte, faßte jener Obere schnellden Entschluß, sich bei ihm Rath zu erholen und ließ nnterdeß dieheiligen Gebeine unberührt. Er ging also zum genannten Bischofhin, erzählte ihm die dreimalige Mahnung und die Auffindung desheiligen Leibes. Als der ehrwürdige Vater das vernommen, frohlockteer im Geiste, stand auf und sprach: Ich will auch gehen und schauen,wie Gott diese Gesichte erfüllt hat. Denn jener Bruder hatte eineJungfrau gesehen, ans deren Stirne geschrieben stand: Cordula,Jungfrau und Königin und diese hatte ihm die Grabstätte gezeigt.Albertus folgte also dem Prior und kam zum Hause der Johan-niter. Als er daselbst die Erzählung des Bruders Jngebrad über dieAuffindung der heiligen Reliquien gehört, brach er in Thränen ans,lobte Gott von Herzensgrund und befahl allen Versammelten dasTedenm zu singen. Er aber zog die Pontificalkleider an, erhob dieheiligen Reliquien aus der Erde und brachte sie mit aller Feierlichkeitin die Kirche der Johanniter. Daun hielt er ein feierliches Amt undlegte den heiligen Leib an einem angemessenen Orte nieder, wo Gottvon da an viele Wunder wirkte."

So bewies der große Mann auch jetzt wieder feine glühende Ver-ehrung zu den Gliedern des mystischen Leibes Christi, seines Herrn.

Wenn wir auf alle hier mitgetheilten Akte, Aussprüche und Hebun-gen des greisen Albertus Hinblicken, können wir uns einer gewissenRührung nicht erwehren. Wir sehen hier den gewaltigen Denker nichtbloß von heiligem Eifer erfüllt, zu Gottes Ehren und nach dem Bc-dürfniß seiner Brüder einen würdigen Kirchenbau aufzuführen, sondernauch die kleinsten Werkzeuge der Erlösung und die Reliquien der Hei-ligen mit glühender Andacht verehren und mit wahrhaft übernatürlicherGlaubensglnt und Liebe umfassen!

Wenn ein bekannter Freidenker des vorigen Jahrhunderts gesagthat Z, daß die Liebe aufhöre, wenn man zu denken anfange, so kannjene Beobachtung im Leben des Albertus als gründlichste Widerlegung

1) Rousseau: On eosso ,1'aiiner, si I'ou eommenoe ä penscr.