Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
218
Einzelbild herunterladen
 

218

Kapitel XXIX.

was er im Commentar zu Lucas (Kap. 9) bei der Stelle:Wer mirNachfolgen will, verläugne sich selbst und nehme sein Kreuz aus sich,"über die Kraft und znm Lob des heiligen Kreuzes sagt. Ebenso sprichter sich ans bei der Stelle: Heute ist diesem Hause Heil wiederfahren(Luc. 19). Er erklärt da:Jede Kirche ist vornehmlich zu Ehren desheiligen Kreuzes geweiht, und das Bild des Gekreuzigten sieht, wieder Herr über sein Hans hinschant, so ans den Altar herab, umfaßtmit ansgespannten Armen das Allcrhciligste') und scheint mit seinemKörper gleichsam das Hciligthum zu schützen."

Doch nicht genug! Der ehrwürdige Meister Albertus war vonsolcher Andacht zu den Werkzeugen der Erlösung erfüllt, daß er wederim Leben, noch im Tode von ihnen getrennt seyn wollte. Als imJahre 1483 sein Grab in jenem Chore der Dominkkancrkirche zu Kölneröffnet wurde, fand man an den Hals der Leiche angebunden einenkleinen Krenzpartikcl, ein Agnusdei von jungfräulichem Wachse undeinen Pfenning, der von einem Nagel des göttlichen Erlösers durch-bohrt war.Ohne Zweifel," sagt Prussia,hatte er diese Zeichender Erlösung zum Andenken an das Leiden des Herrn währendseines Lebens schon getragen und wollte sie auch in das Grabmal mit-nchmen, damit selbst der entseelte Leib nicht jenes ruhmreiche Zeichendes Kreuzes entbehre

Aber nicht bloß bei der Ausschmückung seiner eigenen Klosterkirchezeigte er seine kindliche Verehrung zu den Reliquien der Erlösungs-Werkzeuge und der Heiligen, sondern auch noch bei einem späteren Vor-fälle. Die Chronisten erzählen nämlich, indem sie sich auf eine gleichzei-tige Ausschreibung der Kölner Kirche der Johanniter berufen , Fol-gendes:Als am Tage des hl. Valentinus des Jahrs 1277 die Kirchedes Vorläufers Christi gebaut wurde, geschah eine Offenbarung überden Leib der hl. Königin Cordula, aus dem schimmernden Heere derheiligen eilstansend Jungfrauen, die in jener Stadt den Tod erlitten.Ein Bruder vom Orden des hl. Johann wurde dreimal gemahnt, jenenheiligen Leib zu erheben. Endlich ging er an das Werk und manfand an der bezeichneten Stelle den Leib mit den Abzeichen, die man

1) Vgl. Prussia S- 185. Wir sehen, cs war zu des Albertus Zeit nochallgemeine Einrichtung, daß auf dem Altäre als Mittelpunkt ein größeres Kreuzglänzte.

2) Vita ^lderti x. 186.

3) Rudolph und Prussia S. 274. Der letztere nennt das Jahr 1278.