Der sel. Albertus erbaut und schmückt den Chor der Prediger. 213
dede (that) meysterlich bauen den Chor '). Vincenz Justinianus undHeister berichten im siebzehnten Jahrhundert, er habe wie der besteArchitekt den Chor nach der Norm und den Gesetzen der wahren Geo-metrie in der Gestalt gebaut, die er noch hat 2 ). Der letztere setztnoch bei: Albert hat die Form und Idee des Chores mit eigner Handansgedrückt ff, was offenbar sagen will, er habe den Plan des Bauesentworfen. Endlich sagt Jammyff: „Das Odeum des Tempels derPrediger hat er genau nach den architektonischen Gesetzen angelegt(ckiroxit), was heutigen Tags allgemein bekannt ist."
So lautet das Zeugniß der verschiedenen Jahrhunderte über die-sen Ban des Dominikanerchores zu Köln. Wir sehen, ans den älte-sten, der Zeit selbst entstammenden Urkunden erhellt keineswegs, obAlbertus diesen Chorban bloß mit Umsteht angeordnct und ans seinenErsparnissen bestritten, oder ob er auch den architektonischen Entwurfgemacht und die Bauleitung geführt habe. Dagegen gewinnt dieseletztere Ansicht zweihundert Jahre nach seinem Tode Geltung und fin-det sich bei allen späteren Schriftstellern ff. Uebrigens läßt sich mitziemlicher Sicherheit Folgendes annehmcn: Wenn es richtig ist, daßder Dominikanerchor nur ein Miniaturbild des Domchores war, so hatder zeichnende Architekt ohnehin nur die entsprechende Vereinfachungund Verkleinerung des Domplanes vornehmen dürfen. Daß Albertuseine solche Arbeit von dem Meister der ganz nahen Bauhütte des Do-mes habe entwerfen lassen, ist mir schon bei seiner anderweitigen reichenThätigkeit und bei dem Umfang einer solchen Arbeit wahrscheinlicher.
1) Kreuser chr. Kirchenbau I, 376.
2) Boisserse S. 11 und Schnaase V, S. 546. Es heißt: Otioi-um Pratruiv.praeäieatorum Ooloniae eivitMis tanguam optimri8 ^reüitecws suxta normam etvei'Le geometrisa 1ege8 in baue, guam koäie cernimns, kormam erexit.
3) Schnaase a. a. O. und Merlo, Nachrichten von Kölnischen Künstlern. S. 19.Ltiori lormam et iUeanr sui8 manidus exxre88it.
4) In vita. L. ^Vlb.
5l Merkwürdiger Weise ist also gar keine sichere Nachricht über künstlerischeKenntnisse und Leistungen des Meisters Albert vorhanden, wie auch er selbst nie vonsolchen Dingen redet. Er spricht z. B. vom Schrein der heiligen drei Könige aus-führlich, aber ihn interesstren nur die natnrhistorischen Schätze daran, die Steineund Gemmen mit ihren, wie er meint, natürlichen Bildern. lieber die Knnstgestaltsagt er keine Sylbe. Am wenigsten verlässig ist noch die Notiz von L. Schücking,Albert sei beim Bau der Peterskirche in Rom zu Rath gezogen worden (Dom zuKöln S- 80). Welche Peterskirche soll da gemeint seyn? An der alten Basilika ge-schah erst i. I- 1450 ein Neubau. Vgl. Kuglers Kunstgeschichte I. Ausl. S. 341.