Der sel. Albertus visitirt noch Klöster und weiht Kirchen. 203
wenn er vernahm, daß eine Niederlassung des Ordens, an deren Be-gründung er selbst Antheil gehabt, nicht gedeihen wolle, oder daß ir-gendwo die erste Liebe erkaltet sei, da eilte er hin und richtete wiederalle aus durch seine Weisheit und durch heilsame Ermahnungen. Selbstan väterlichen Bitten ließ er es nicht fehlen, bis dem Uebelstande abge-holfen war r). So war er noch immer mit heiligem Liebeseifer be-müht, die zahllosen Pflanzungen seines Ordens und selbst andrer Or-den zu begießen, von den Auswüchsen zu reinigen und im gutenWachsthum zu bestärken.
Dann aber wurde der greise Albertus auch nicht selten von Bi-schöfen, Prälaten und Städten berufen, um bischöfliche Funktionen vor-znnehmen. Es geschah dieses, theils um der Heiligkeit und Demuthdes großen Mannes dadurch eine Huldigung darznbringen, theils inFällen der Noth^), wenn die Kirchenfürsten erkrankt oder verhindertwaren.
So hatte Albertus schon ans seiner Rückkehr vom Frankenlande,als er sich in Schwaben und im Elsaß aufhielt, mit Erlaubniß der Bi-schöfe jener Sprengel die Einweihung vieler Kirchen und Altäre vor-genommen. So kam er damals in das stattliche Eßlingen, wo diePredigerbrüder bereits seit dem Jahre 1219 in der Vorstadt eine Nie-derlassung besaßen, seit dem Jahre 1233 aber in der Stadt selbst einKloster sich hatten erbauen dürfen. Da eben die dazugehörige Kirchein der einfachen Schönheit der frühesten Gothik war zur Vollendunggekommen, so weihte sie der ehrwürdige Albertus ans Bitten der Brü-der und mit Genehmigung des Bischofs von Konstanz zu Ehren deshl. Paulus ein am 29. April des Jahres 1268 ^).
Dann bat auch das reiche Basel um die Ehre seines Besuchesund um die Ausübung seiner bischöflichen Gewalt. Auch dort hattendie Predigerbrüder frühzeitig gütige Aufnahme gefunden und bereitsi. I. 1232 einen Kloster- und Kirchcnbau begonnen. Nachdem dieserBau sich mehrere Jahrzehnte hindnrchgezogcn, gingen sie im I. 1261daran, einen stattlichen Chor ihrer Kirche anzufügen, der bereits im
1) Rudolph.
2) Ebenderselbe.
3) Vgl. Heideloff's Kunst des Mittelalters in Schwaben Lief. IV, S. 59 undTafel XVI, wo eine Abbildung der Kirche gegeben ist. Jetzt ist dieser merkwürdigeBan in einen Weinkeller verwandelt! Bei Heideloff ist jenes Datum mitgetheilt, dasauch Rudolphs Legende enthält. Binterim gibt aber für diese Eßlinger Kirchweihedas Jahr 1271. Vgl. Kreusers chr. Kirchenbau I, 378: Xnno 1271 I^stinga,- et Xirt-verxise Oivo ttaulo aeäss äeäieabat. Wir halten uns an die Localschriftsteller.