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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXVII.

sagen von der Mutter der Barmherzigkeit und Wahrheit selbst. Ichbitte auch die, welche dem Büchlein die Ehre anthun werden, es an-zusehen, wenn sie darin vielleicht etwas finden, was wegen seiner Neu-heit ihnen anstößig ist, so möchten sie cs nicht meiner Verwegenheitzuschreiben, sondern vielmehr mit meiner einfältigen Andacht Geduldhaben. Denn ich habe ja nicht die Absicht, die glorreiche Jungfraudurch Lügen zu verherrlichen, oder in hochtrabendem Style erleuchtetenGeistern etwas Neues und Großes zu sagen, und dadurch nicht dasLob der preiswürdigen Jungfrau, sondern mein eignes zu suchen, son-dern ich wollte nur ungebildeten und einfältigen Leuten, wie ich selbstbin, durch diese einfachen Worte dienen. Denn ich wäre wohl zufrie-den, wenn, da ich selbst nichts Würdigeres der gebenedeiten Herrinvorbringe, weil ich unwürdig im Leben und gar klein in der Wissen-schaft bin, doch weisere Männer dann Gelegenheit nehmen würden,von ihr zu schreiben und zu sprechen."

In solcher edlen Absicht und im Geiste der Demuth, die hier nichterheuchelt ist oder bloß in Worten besteht, sondern ganz auf christlicherSelbstkenntniß beruht, ging also Albertus an diese schöne Arbeit.Indem das Evangelium der Verkündigung zu Grunde gelegt wird,erörtert der Verfasser die ganze Lehre von der heiligen Gottes-mutter Maria in der gewohnten scholastischen Weise, indem er sich allenur möglichen Fragen vorlegt, die Gründe bespricht, welche für diebejahende und für die verneinende Antwort vorgcbracht werden können,und dann die Entscheidung gibt. Man könnte das Buch auch dasumfassendste Werk über die Herrlichkeiten Mariens nennen. Denn esenthält die in glühenden Farben entworfene Schilderung der geistigenund körperlichen Vorzüge Mariä. Er stützt sich bei den Antwortenauf Stellen der heiligen Schrift, auf die Aussprüche der Väter undauf Vernunftgründe. Wo sich aus diesen Quellen keine bestimmteEntscheidung treffen läßt, gibt er Vermuthungen, um der Phantasieauch einen Spielraum zu verschaffen und auch sie zur VerherrlichungMariä einznladen. Um eine Vorstellung vom Inhalt und der Me-thode dieser merkwürdigen, den Charakter mittelalterlicher Forschungender Art bezeichnenden Schrift zu geben, führen wir eine Reihe vonFragen an, welche die Abhandlung eröffnen.

Albertus fragt sich hier: War es nothwendig, daß der ErzengelGabriel zu Maria geschickt wurde? Durch welchen Boten geschahdiese Verkündigung am passendsten? Diese Frage zerfällt wieder infolgende: Mußte diese durch einen Menschen geschehen?. Mußte derBote ein Engel sehn? Oder ein Erzengel? Oder einer von den