Von der Liebe des sel. Albertus gegen die glorreiche Jungfrau. 195
Studium mit ihrem Lobe endigte. Er machte mehrere Sabbatseqnen-zcn i) über die glorreiche Jungfrau, welche ebenso sehr durch tiefenSinn, als durch Wohlklang und Innigkeit sich auszeichnen. Diesepflegte er dann im Garten oder an einem andern Orte mit Jubel derSeele gar andächtig und süß zu singen. Ost unterbrachen Seufzerund Thränen seinen Gesang, und gaben so die Heftigkeit seiner Liebeund die Aufrichtigkeit seiner Andacht zu erkennen."
Wie rührend ist es, den größten Gelehrten seiner Zeit, der alleWissenschaften in sich vereinigte, sich im Geiste vorzustellen, wie erallein im Klostergarten zn Köln hinwandelt, und unter Thränen einLoblied ans seine Königin Maria singt!
Auch Prnssia weiß nicht genug zu erzählen von dieser Verehrungunsers Meisters gegen die heilige Gottesmutter. Er nennt ihn denGeheimschreiber Mariens, ausgezeichnet vor Allen, die über sie ge-schrieben haben. „Denn," sagt er Z, „auch Hieronymus, Ambrosius,Augustinus, Bernardus, Anselmus und Johannes Damascenus warentreffliche Lobredner derselben, sie haben alle durch schmuckvolle Redeund mit süßester Andacht sie würdig gepriesen und in glanzvollemStyle gezeigt, wie groß, wie mächtig, wie verdienstvoll, tugendreichund gütig sie sei. Aber mit offenbaren Gründen vermögen sie denGeist des Hörers nicht so zu überzeugen, wie unser ehrwürdige Albertus,wenn er in seinen Reden von ihr spricht." Von seiner zarten Liebezu Maria, fährt Prnssia fort, zeugt auch der Umstand, daß er niebloß ihren Namen angibt, sondern immer beisetzt bald die seligste, balddie reinste, bald die gcbenedeite, bald sie Herrin und Mutter Gottes,bald Mutter des Schöpfers nennt. Welche Hoffnung er auf ihre Für-bitte setze, wie viele Gnaden er von der Gnadenvollen empfangen,spricht er selbst in einem Gebete aus, das in den oben angeführten Lita-nien enthalten ist und das also beginnt: Heilige Maria, deinem Na-men nach die Erleuchterin Himmels und der Erde, die du in vielenDingen über die Geheimnisse deines Sohnes, des Wortes des ewigenVaters, die von Anbeginn in Gott verborgen waren, selbst die Leuchten
1) In den gesammelten Werken Alberts sind keine solchen ausgenommen. Dochkönnen sie wohl noch in Liedersammlungen erhalten seyn. Uebrigens nahm Rudolphdiese Stelle aus der alten Dominikanerlegende, wo es heißt: Ob singularissimanräevotioncrn all Oourinanr nostram ln borto vel alio secreto loco 8olu8 c^uasi stn-llens, oantionem onnr laer^rnis all beatanr virssinein lleizuantissimo susplranlloatgue singullns imnriseen8 eantars 8olebat. ?ru88ia g. 190.
2) ?. 190.
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