Von der Andacht des sel. Albertus zum hl. Sakrament. 193
Engel des Herrn kam vom Himmel und sprach zu ihm: Stehe auf,eile, wenn du Christum sehen willst, er ist jetzt da, mit dem Körper-gewande angethan, das er von der heiligen Mutter empfangen. DerPriester stand zitternd auf und sah ans dem Altäre einen Knaben fitzen.Da sprach der Engel: Weil du Christum sehen darfst, den du unterBrodsgestalt durch die gchcimnißvollen Worte geweiht hast, so schaueihn jetzt mit den Angen und berühre ihn mit den Händen. Da nahmder Priester, vertrauend ans die göttliche Huld, was wunderbar ist,den Knaben in seine zitternden Arme und drückte seine Brust an dieBrust Christi. Dann ausgegossen in Liebe, gab er fromme Küsse demGotte, und drückte seine Lippen ans Christi Lippen. Als er das gethan,setzte er den Knaben wieder auf den Altar, warf sich zur Erde undflehte zum Herrn, er möchte wieder seine vorige Gestalt annehmen.Und als er anfstand, fand er den Leib des Herrn in die frühere Ge-stalt zurückgekehrt und so vereinigte er sich mit ihm unter der gebüh-renden Gestalt!"
Zum Schluffe hebe ich noch hervor die Erklärung, welche Alber-tus von einem oft vorkommenden Bildwerk der alten Kunst gibt. Mansieht hier, wie gerne er auch die mächtige Sprache der Kunst benützt,um die Wahrheiten des Heiles anschaulich zu machen. Er sagt'):„An einigen Orten wird zur Rechten des Gekreuzigten ein Mädchengemalt mit heiterem und schönem Antlitz, mit einer Krone geschmückt;diese stellt die Kirche vor, welche Christi Blut ehrerbietig mit demKelche auffing. Zur Linken steht die Synagoge, die Augen verhülltmit einem Tuche, mit trauriger Miene, gebeugtem Haupte und einerhcrabfallenden Krone. Diese hat jenes Blut verschüttet, und verachtetes noch. Darin ist ausgedrückt, daß sie und jeder, welcher tödtlichsündigt, drei Güter verliert, das Licht der Gnade, die Freudigkeit desGewissens und die Krone der Glorie. Darum heißt es im Gebetedes Jeremias: Weh uns, weil wir gesündigt haben, darum wurdenunsre Augen verdunkelt, unser Herz ward traurig, die Krone fiel vonunserm Haupte! Das Mädchen zur Rechten sängt dagegen das BlutChristi im Kelch auf; weil jede gläubige Seele, die ein reines Herzzu den Wunden Christi hinwendet, geistig sein Blut mit aller Andachtempfängt und dadurch das wahre Licht, die Freude des Herzens unddie Krone der ewigen Herrlichkeit empfängt."
Wir haben in diesen kurzen Auszügen gezeigt, in welcher WeiseAlbertus vom erhabensten Gegenstände des christlichen Glaubens und
1) ?. 297.
SIghart, Albert d. Große.
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