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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXVl.

der Grieche hat aber dieselbe Kraft durch die erworbene Weisheit mit-telst der Vernunft im Evangelium erkannt; denn unter allen Heidenwar der Grieche durch solche Weisheit weise. Als zweiten Grunddeuten die Väter an die Beobachtung der Gesetze, welche zuerst beiden Griechen war, wie die Gesetze der zwölf Tafeln und die Wissen-schaft der Pandekten zeigen, die bis heute von den Griechen zu unssich ausbreiten und Geltung haben, und durch diese Gerechtigkeit erkanntensie die Gerechtigkeit des Gesetzes Christi und erhielten es zuerst unterden Heiden. Daher sagt der Apostel (Röm. 1), daß die Gerechtigkeitdem Juden und Griechen geoffcnbart wird vom Glauben zum Glauben;denn wie der Jude ans dem Glauben an die Gerechtigkeit des mosai-schen Gesetzes die Gerechtigkeit des Evangeliums erkannte, so hat derGrieche ans dem Glauben an die natürliche Gerechtigkeit die Gerech-tigkeit des Evangeliums erkannt. Der dritte Grund ist: Was dieSprache betrifft, so hat der Grieche zuerst von den Aposteln die Aus-sprache des Glaubens (in seiner Sprache) empfangen, wie man in denBriefe» des Paulus sieht, welche mit Ausnahme des ersten und letz-ten alle griechisch geschrieben wurden. Sv sind auch alle Evangelienmit Ausnahme jenes des Matthäus, und ebenso die Apostelgeschichteund Apokalypse griechisch geschrieben. Die sieben ersten Kirchen, welchedie ganze Kirche vorstcllen, sind in dem Theil Asiens gegründet worden,der Griechenland heißt. Der vierte und letzte Grund ist, weil nnsLateinern von den Griechen der Glaube zngckvmmen ist; denn Petrusund Paulus kamen von den Griechen zu den Lateinern und sie warenuns Quell und Anfang des Heiles. Also, um die Weisheit derGriechen und ihre Gerechtigkeit zn ehren, um nns zu erinnern, daßdie Griechen zuerst die Gnade des Heils von Paulus und Barnabas(Apostclg. 13) empfangen haben, und daß von den Griechen aus nns jeneGnade ist übergeleitet worden, bewahren wir im Kyrie noch dieselbenWorte und Sylben, womit zuerst von jenem Volke Gottes Barmher-zigkeit ist angcruscn worden')."

Diese ausführliche Erörterung ist hier mitgctheilt, um wieder einBeispiel der Behandlung aller vorkommenden Fragen durch unser» Al-bertus zn geben, theils auch um die hohe Achtung dieses christlichenWeisen vor der Weisheit, Gerechtigkeit und Sprache der alten Griechenzu zeigen.

n I,. e. p. 12. Er setzt bei, daß darum noch an hohen Festen hie und da dieEvangelien griechisch gelesen werden.