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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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181
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Von der Andacht des sel. Albertus zum hl. Sakrament. 181

nämlich in den Eingang, in dem durch mächtiges Rufen jenes Gutherbeigefleht und eingeladen wird; in die Belehrung, in der überjenes Gut eine vollkommene Erleuchtung mitgctheilt wird, und in dieDarbringung, in welcher der Empfang, die Vcrthcilung und Ver-einigung mit jenem Gute geschieht. Der Introitus mit seinem Rufenbedeutet das Verlangen der Väter nach der Einladung und Berufungzu jenem Gute. Die Belehrung aber gehört zur Vvllkommnen Offen-barung jenes Gutes. Die Darbringung hingegen gehört zum Empfang,soviel man davon empfangen kann. Wie nämlich jenes Gut erwartetund angcrufen wurde, daß cs in die Welt komme, und wie es indie Welt kommend die Welt erleuchtet hat und der erleuchteten Welt sichzur Aufnahme anbot, so wird seine Ankunft im Sakrament erwartet,über seine Ankunft wirb das Volk belehrt, und nach der Erleuchtungwird die vollkommene Gnade erthcilt in der Opferung und Communion,und das ist das vollkommene Gcheimniß der Messe."

Nach dieser Einthcilnng gibt Albertus mit sorgfältiger Benützungder Forschungen aller früheren Väter und Schriftsteller seine Erklärungder Messe, indem er in der Weise der Scholastik nach den Gründender einzelnen vorkommenden Handlungen und Gebete forscht. So führt erz. B. sechs Gründe an, warum die Väter der alten Zeit mit solcherSehnsucht nach dem Erlöser gerufen haben. Es war das Elend ihrerLage, das Drängen des Feindes, die Gewißheit der Verheißung, derUeberdruß an der langen Erwartung, die Mangelhaftigkeit dessen, waseinstweilen trösten sollte, das glühende Verlangen nach der Gegenwartdes Befreiers').

Bei der Frage, warum das Kyrie in griechischer, nicht aber inlateinischer Sprache gebetet werde, führt Albert vier Gründe an.Dererste ist, weil die höchste Weisheit der Welt in Griechenland blühte,wie es heißt I. Kor. 1: Die Juden verlangen Zeichen, die Griechenforschen nach Weisheit. Um also zu zeigen, daß jene Anrufung diehöchste Weisheit sei, und aus der höchsten Weisheit entspringe, wirdsie griechisch gesprochen. Wie nämlich der Jude durch die Schrift Gotterkannte, so erkannte der heidnische Weise und Philosoph durch dienatürliche Weisheit der Vernunft Gott und darum mußte er Gott auchanrufen. Daher heißt es im Nömerbriefe: Ich schäme mich nicht desEvangeliums, denn es ist eine Kraft Gottes, selig zu machen Jeden,der glaubt, zuerst den Juden, dann den Griechen. Denn der Judehat zuerst die Kraft Gottes im Evangelium erkannt durch die Schrift;

1) Os sseril. miss. I, 2. p. 10.