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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
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Der sel. Albertus in Würzburg.

Netz der Heilspredigt auch in der Kirche wieder die Seelen dem Herrnzu gewinnen gesucht.

Wenn wir dann fragen, welche Schriften des Meisters damalsihre Entstehung gefunden, so haben wir darüber freilich keine bestimm-ten Angaben, sondern nur Vermuthungen. Doch möchte der Umstand,daß Albertus im Commentare zum Evangelium des heiligenMarcus auf seine früheren Erklärungen der Evangelien hinweist,darauf deuten, daß dieses Werk in jener späteren Zeit entstanden undvielleicht in diese Jahre zu verlegen sei. Das Gepräge der exegetischenBehandlung dieses heiligen Buches ist ganz dasselbe, das wir früherschon bei den übrigen Evangelien kennen gelernt habenVon eigen-thümlichcu Traditionen, die jene Schrift des Albertus in sich begreift,führen wir an, daß der Evangelist Marcus in jener Nacht der Gcfan-gennehmung des Herrn, wo auch er halb augeklcidet von den Solda-ten ergriffen wurde, nicht bloß das Kleid, sondern auch den Daumenverloren haben soll. Ferner wird berichtet, das von der Hand desheiligen Marcus geschriebene Evangelium werde in Aquileja anfbe-wahrt. Endlich erfahren wir, jenes Weib, das die Lobpreisung ausge-sprochen: Selig ist der Leib, der dich getragen! habe Marcella ge-heißen und sei eine Magd der heiligen Martha gewesen.

Außerdem möchten wir des Albertus Buch vom starkenWeibe in diese Zeit verlegen. In den ältesten Verzeichnissen seinerSchriften 2) findet sich dieses nämlich immer in der Nähe der späterenWerke seines Geistes aufgcführt. Und wann wäre er auch mehr ge-eignet gewesen, über die Kirche Gottes auf Erden, über ihre Vorzüge,Gaben und Einrichtungen Untersuchungen anzustellcn und die ihm zu-strömenden herrlichen Gedanken hierüber öffentlich auszusprcchen, alsgerade jetzt, nachdem er selbst in die kirchliche Hierarchie als Bischofeingetrcten und das wunderbare, mannigfache Leben ihres Organismusdurch die Erfahrung in nächster Nähe beobachtet hatte? Wir glaubenalso nicht sehr zu irren mit der Annahme, Albert habe damals daseinunddreißigste Kapitel des Buches der Sprichwörter benützt, umdaran seine Vorträge und Belehrungen über das Wesen und Leben

1) Der Commentar ist der kleinste und füllt nur 134 Seiten. Vielleicht hat erden Commentar im Kloster seines Ordens zu St. Marcus geschrieben zu Ehren desEvangelisten, dessen Namen die Kirche trug.

2) Z- B- bei Rudolph. Dieses Werk ist fast in allen Klosterbibliotheken Bayerns(sowie der Commentar zu Lucas) vorhanden gewesen, also wohl hier entstanden. Es stehtbei Jammy Bd. XII.