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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXIV.

Streitfragen anhören, die Sachlage untersuchen, die gegenseitigenInteressen abwägen, und endlich ein alle zufriedenstellendes Urtheilfällen. Gewiß ein großes Opfer für den Mann, dessen Geist so ganzdem Idealen zugewandt war, für den nur das Ewige Bedeutung undWerth hatte! Doch da sich meist darum handelte, Frieden zu stif-ten, und so diese Frucht der Erlösung zu erhalten unter den Men-schen, weigerte er sich des Dienstes und der Mühsal um so weniger,als ja den Friedfertigen, den Friedenstistern in Mitte der Zwietracht,vom Herrn selbst hoher Lohn verheißen ist.

Soviel berichten uns die Urkunden von der Wirksamkeit unsersMeisters in Würzburg. Dem müssen wir noch beifügen, daß Albertsich ohne Zweifel auch um das Kloster der Dominikanerinnen beiSt. Marcus daselbst thätig angenommen, da er später dasselbe sogarin seinem Testamente mit einer Schenkung bedenkt. Wahrscheinlich wares eine neuanfblühende Pflanzung, die den Weg der Vollkommenheitwandelte und dadurch auch Alberts Liebe besonders gewann.

Dagegen weiß auch hier die Sage wieder zu erzählen, Albertushabe den damals sich zu Würzburg erhebenden Bau des Dominikaner-klosters und der dazu gehörigen Kirche, die i. I. 1274 zu Ehren deshl. Paulus geweiht wurde, zu leiten gehabt'). Wenn unter dieserLeitung zu verstehen ist der hochwichtige Beirath des Albertus alseines erfahrenen, schon bei hundert Kloster- und Kirchengründungenbeteiligten Ordensmanncs, so können wir wieder nicht zweifeln, daßder gütige Meister seinen Brüdern durch Rathschläge und Anweisungenbei dem heiligen Werke behilflich gewesen. Wenn aber wieder bloßaus seiner damaligen Anwesenheit in Würzburg der Schluß gezogenwird, er habe den Bauplan der Kirche entworfen und die Ausführungals Architekt geleitet, so haben wir hiezu wieder keine historische Be-rechtigung.

Aber als sicher dürfen wir die Nachricht annehmen, Alber-tus habe auch in Würzburg lehrend, predigend-) und schreibenddiese Jahre zugebracht. Denn wir können uns diesen Altmeister derProfessoren und Schriftsteller für längere Zeit fast nicht anders denken,als auf dem Katheder oder am Schreibtische sitzend. Das ist seineeigenthümliche Lcbenssphäre. Ohne Zweifel hat er darum im Klosterzu Würzburg seine Lehrvorträge wieder begonnen und durch das

1) Vgl. Obcrthür a. a. O. und Bianco S. 54.

2) Siehe obige Schriften.