Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

138

Kapitel XXIII.

an den Tagen der Auffindung und Erhöhung des Kreuzes und an derKirchwcihe mit Andacht und Verehrung besuchen, im Vertrauen ansdie Barmherzigkeit des allmächtigen Gottes, einen Nachlaß von vierzigTagen an der ihnen anferlegten Buße. Gegeben zu Polling Z amö. Mai im Jahre des Herrn 1263."

Wir wissen nicht, ob Albertus mit der Anbietung dieser Gnadendie Bedingung verbunden, daß zugleich eine Beisteuer zum Kreuzzugegegeben werden müsse. Es scheint dieß nicht der Fall zu seyn, da derWortlaut keine Andeutung gibt. Wahrscheinlich hatte Albertus auchhier nur die Absicht, in möglichst großer Anzahl die Gläubigen hcrbei-zulocken zum Besuch der Kirche und zum Gebrauch der Gnadenmittel.Doch konnte dadurch dem Kloster auch eine Unterstützung zugedachtseyn, da es in den nächsten Zeiten als sehr verarmt geschildert wird Z.

Ungewiß ist, ob Albertus damals auch die andern nahelie-genden, ruhmvollen Klöster Bayerns besuchte, die dort sich entwederin den Wellen der lieblichen Seen spiegelten oder hinter dunkeln Wäl-dern verbargen, nämlich Dicssen, Andechs, Wessobrun, Benediktbeuern,Rothcnbnch, Steingaden, alle diese Mittelpunkte der Civilisation, Hei-ligthümcr der Wissenschaft, Asyle der Ruhe und Gebet suchenden See-len und Stätten unbegränzter Gastfreundschaft, welche die Pilger be-nützten, die von den nördlichen Reichen zum Grabe der Apvstelfürstcnwallten ch. Wir haben leider über diese Wanderungen des Albertuskeine Aufschlüsse. Wenn ihm jedoch das unter seinen Schriften ent-haltene Werk über die Alchemie angehörte, was aber sehr unwahr-scheinlich ist 4), so wäre dieser Besuch der bayerischen Klöster um derWissenschaft willen schwer in Abrede zu stellen, da der Verfasser amAnfänge der Schrift erzählt, er habe fast alle Klöster und Stifte durch-wandert, um die Fortschritte der Alchemie kennen zu lernen °). Doch

t) »Xpuä kollingain« könnte auch andeutcn, daß sich Albert in einem nahenOrte, etwa dem Schlosse eines Adeligen, aufgehalten? Daß er häufig bei Vorneh-men zu Tisch gesessen, sehen wir auch aus seinen Schriften. So erzählt er, einmal wäh-rend einer Tafel beim Austernessen viele Perlen in den Schaalen gefunden zu haben.

2) In Lunäii Metrox. 8. III, 114.

3) So spricht von ihnen Montalembert im Leben der hl. Elisabeth, Kap. XX.

4) Vgl. Quetif und Echard 8eript. Oonrinlo. I, p. 179.

5) Operum Xlbcrli Nass. lom. XXI. Uebrigens erzählt auch der ZeitgenosseRoger Bacon, Laß man damals in Burgen und Klöstern allgemein die Wissenschaf-ten betrieben habe:Seit vierzig Jahren besonders ist in Len Burgen und Klösterneine rege Wißbegierde neben der allgemeinen Unwissenheit des Volkes bemerkbar."Vgl. Kritische Untersuchungen über die histor. Entwicklung der geograph. Kenntnisse