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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXIl.

wiederholender Vorwürfe des Gewissens ') gestoßen fühlte. Er warja nicht bloß Bischof und Seelcnhirt, sondern auch deutscher Rcichs-fürst, Regent eines Gebietes von nicht unbedeutender Ausdeh-nung, er mußte in der einen Hand den Hirtcnstab, in der anderendas Schwert halten und führen-), er mußte nicht bloß die geistigen

Gnadenschüße des Herrn verwalte» und spenden, sondern auch die zeit-lichen Güter und Rechte seiner Kirche und Untcrthanen wahren und

vcrtheidigcn, er mußte zu diesem Zwecke zahllose Prozesse einleiten und

znm glücklichen Ziel zu bringen suchen. Als Reichsfürst mußte ermanchen Festlichkeiten und Versammlungen mit einem gewissen Anf-wande und äußerem Prunk beiwohnen, den seine Stellung erforderte.

War auch diese Vereinigung der zeitlichen und geistigen Gewaltin den Kirchenfürsten jener Tage ohne Zweifel eine gebieterische Noth-wcndigkeit, um die Freiheit der Kirche und Völker gegen die Willkührund Unterdrückung durch die übermäßige, unbeschränkte Gewalt meistroher, natnrkräftiger und darum znm Uebermnth leicht geneigter Für-sten zu schützen, so brachte sic doch auch wieder manche böse Früchte;sie war eine beständige Versuchung für die Bischöfe und Aebte, ob desZeitlichen das Ewige zu vergessen, sich von der Zinne des Tempelsihres heiligen Berufes in das niedere Getümmel der Welt hinabzn-stürzen und so sich und Andern das Verderben zu bereiten. Aber be-sonders mußte solches Leben und Streben der Seele Alberts zuwiderseyn, der als Ordcnömann die evangelische Vollkommenheit lieben ge-lernt, dessen bisherige Thätigkeit sich mit solchem Erfolge im Reichedes Geistes bewegt hatte. Wohl hatte er als Bischof gezeigt, daß eralle diese scheinbar widerstreitenden Elemente zu vereinigen verstehe,indem er allen den verschiedensten Pflichten seines Amtes mit hoherWeisheit und Vollkommenheit nachzukommen wußte; aber er sehntesich dennoch ohne Unterlaß nach Erlösung von diesen drückenden Fesseln,nach der Freiheit des Geistes, die er früher genossen. Oft klagte derfromme Bischof, wenn er an das Jerusalem seiner eignen Seele dachte,

1l Rudolph.

2) Der Zeitgenosse des Albertus, TholomLus de Luca, sagt hierüber mit Recht:Xiiiertus iaetus e8t Lpmeoprm Itatiaponermm in ciucalu Lavariae, r>ui iriultumImnorabiim est. 6oepit onera eMcopatiis 8ul>ire, quae in Deutoma nimm buntMilitaria, quia eonservari non po88vnt nisi eum cnse, quae sidi ineubueruntpro tempore illo. Oonsiüoruns ixitur statum tran^uilium, quem äimisit et ba-ratlrrum, in czuem ineiüit, non «juievil, quousque aeeepta Mit 8ua renuntiatioper summum xontiiieem. Bei Quetif und Echard Lcript. Orä. äom. I, 169-