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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XXII.

Aristoteles nie zu einer Regel gebracht werden können. (Albertentschuldigt also hier die Ansührung verschiedener Sitten und Einrich-tungen in den Staaten, die nicht mit den christlichen Ideen Harmo-niken.) Aristoteles hält sich hier meistens an die Staaten des Orientsund Aegyptens, die immer in der Ehe und im Cult unrein waren,wie sie cs noch jetzt sind. Und Aristoteles erzählt das nicht als seineAnsicht, sondern er sagt nur, daß diese Völker ihre Staaten so geord-net haben. Auch ich habe in dem Buch nur erklärt, was vorkommt,ich habe nur die Beweise und Gründe dafür gegeben, wie ich auch inallen physischen Büchern nichts von mir sagte, sondern nur so treuals möglich die Ansichten der Peripatetiker auslegte. Das sage ichwegen einiger Trägen, die, einen Trost sür ihre Trägheit suchend, nurin den Büchern suchen, was sie tadeln können. Und da sie starr vorTrägheit sind, suchen sie, um nicht allein todt zu scheinen, denen, diesich anszeichnen, eine Mackel anzuhängen. Diese haben den Sokratesgetödtet, den Plato aus Athen in die Akademie vertrieben und denAristoteles verjagt. Diese sind im Reiche der Wissenschaften, was dieLeber im Körper ist. In jedem Körper ist nämlich die Gallcnfenchtig-keit (die in der Leber sich sammelt), diese dünstet aus und macht da-durch den ganzen Körper bitter. So gibt es in der Wissenschaft im-mer einige bittere und gallige Menschen, die auch alle andern in Bit-terkeit verwandeln und sie nicht in süßer Gesellschaft die Wahrheitsuchen lassen')."

Man sieht aus diesen Worten, daß Albert um jene Zeit, wo erden Commentar zur Politik schrieb, heftigen Tadel und unverständigeVorwürfe muß erlitten haben wegen seiner wissenschaftlichen Thätigkeit.Fragen wir um die Gründe dieser ganzen Feindseligkeit, die sich insolchen Gerüchten und Schmähungen Lust machte, gegenüber dem Al-bertus, so ist wohl als Hauptfaktvr zu betrachten der Unverstand derMenge, die alles Außerordentliche, Ungewöhnliche leicht verdächtigt,nur das Herkömmliche achtet, und jede neue Kunde sogleich entstelltund mißversteht. Doch bei Andern, bei allen höher an Bildung undWürden Stehenden müssen wohl andre Gründe gesucht werden.

Ohne Zweifel war die Sittenstrenge des großen Bischofes, seinesteten, ernsten Mahnungen zur Besserung des Lebens Vielen ein An-stoß und ein beständiger Vorwurf.Fragst du nach den Gründen derFeindseligkeiten gegen Albertus," bemerkt Rudolph in seiner drastischenWeise,so forsche in den heiligen Schriften und du wirst finden, daß

1) kolüie. p. 500. Bd. IV bei Jammy.