Wie Albertus auch jetzt hl. Bücher schreibt. 143
solchen Officiums zu Ehren des hl. Joseph in jener Zeit Beachtung,da es auf den besondern Cult dieses Heiligen hinweist, dessen Ver-ehrung nach unscrn bisherigen Forschungen erst in späterer Zeit sich sosehr entwickelt hat. Denn das Mittelalter scheint einige Scheu davorgehabt zu haben, um nicht der Häresie und Gotteslästerung von dernatürlichen Empfängniß des Sohnes Gottes Spielraum zu geben.Ucbrigcns ist es wirklich nicht ganz unwahrscheinlich, daß Albert jetzt,wo er selbst als Haus- und Nährvater einer der größten Diöcese da-stand, eine bcsondre Verehrung zum irdischen Nährvater seines Herrnund Heilands begonnen und gepflogen habe Z.
Wenn aber Albert in Mitte des Geschäftsdrangcs jener Jahreauch nur den Commentar zum Evangelium des hl. Lukas geschriebenhaben sollte ^), so ist diese Arbeit ein genügender Beweis von der un-crmüdcten Thätigkeit des großen Meisters auch ans dem Gebiete derSchriftstellerei.
Doch nicht genug! Die fromme Meinung schreibt dem Albertusselbst vielfach die lebendigste Betheiligung an herrlichen Kirchenbautenzu, die in jenen Jahrzehnten in der Stadt Regensbnrg sich erhoben.Man hat ihn auch hier schon als Schöpfer des trefflichen Domplancsbezeichnet, oder will ihm wenigstens den Entwurf der gothischen Do-minikanerkirche zuschrciben. Wir können darum nicht ganz hievonschweigen. Daß der Dombau nicht dem Genie oder der Freigebigkeitdes Albertus seinen Ursprung verdanke, beweist schon der Umstand,daß der Neubau der Regensburger Kathedrale erst durch den Branddes Jahres 1270 veranlaßt wurde, also erst elf Jahre nach der Re-gierung Werts, der damals bereits ein Alter von fast achtzig Jahren er-reicht hatte 4). Während der kurzen Zeit seiner Amtsführung aberkonnte er schon deßwcgen unmöglich den Neubau seiner Kathedrale be-schließen und entwerfen, da die Finanzen der Kirche und des Bisthumsja, wie wir gesehen, in gewaltiger Verwirrung sich befanden. Mitmehr Wahrscheinlichkeit könnte ihm Betheiligung am Ban der Domini-kaner-Kirche zugeschrieben werden. Denn die alte Blasiuskirche der
1) lieber die Verehrung des heil. Joseph »nd deren Geschichte vgl. das höchstgeistreiche Buch des k. Fader: Das allerheiligste Sakrament des Altares V. Abschnitt:Der Nährvater und sein Kind.
2) Bei Jammy Bd. X.
3) Früher waren kleinere Nestanrativnen nöthig geworden. Vgl. SchnaaseV, 585.
4) Vgl. Schuegraf's Geschichte des Domes von Negensdurg.