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Kapitel XXI.
und Begierden. Von einem andern Kreuze heißt es Gal. 6.: Mir istdie Welt gekreuzigt und ich der Welt. In die Mitte aber hingen sieJesum, als den schlechtesten! (Habac. 3 nach der Scptnag.) In Mittezweier Thiere wirst du erkannt werden. So also ist Er gekreuzigtworden, an jenem Orte und mit solchen Menschen!" —
Diese wenigen Beispiele mögen genügen, nm die Art der Schrift-erklärnng des Albertus anschaulich zu machen. Nebenbei macht er An-griffe auf die Ucbcl der Zeit, wie wir oben sahen. Uebrigens findenwir noch manche interessante Notizen und Bemerkungen in diesem Com-mentare. So erzählt der Autor, viele hätten zur Zeit des Lukas Un-wahres über den Heiland geschrieben unter falschen Namen, so Apclles,Basilides, cs gebe ein falsches Evangelium der Kindheit Jesu, Aktendes Thomas und Mathias, wo vieles Freche und Irrige zu lesen ist.In den Akten des Thomas stehe sogar, daß das Paradies noch auseinem Berge liege, der in den Mond humusreiche, was schon aus Na-turgründen unmöglich sei. Dann erzählt er, wie Jesus die Magda-lena von sieben Teufeln befreit, so habe er auch die Martha vomBlutfluß geheilt und den Lazarus vom Tode erweckt. Der Knabe, denJesus den Jüngern vorhielt, soll Martial, Bischof von Limoges gewesenseyn. Ferner, das ungenähte Kleid Jesu war gemacht von jener Arbeit,wie Birette und manche Handschuhe jetzt gemacht werden. Es soll eineArbeit der hl. Jungfrau gewesen seyn. Sic soll dem Herrn auch nachden Vätern das Lendentuch umgeworfen haben, indem sie es von ihremHaupte riß, als die Henker ihren Sohn ganz entblößten (II, p. 345).Gut ist auch der Vergleich, den Albertus gleich am Anfang macht,indem er sagt: Die Häretiker gleichen den Füchsen des Samson, siehaben wie diese alle verschiedene Köpfe, aber mit den Schweifen sindsie zusammengebundcn, d. h. in der Absicht, die Wahrheit zu bekäm-pfen, sind sie eins. Soviel hier von diesem gewaltigen Werke.
Von andern schriftstellerischen Arbeiten unsers Meisters in jenerZeit haben wir keine sichere Kunde. Zwar berichtet Rudolph, daßAlbert damals nach dem Zeugniß mancher Biographen auch das Offi-cium vom heiligen Joseph, dem Bräutigam der glorreichen JungfrauMaria, geschrieben habe. Doch scheint er selbst daran zu zweifeln,und uns ist eine solche Arbeit unter den Werken des Albertus nichterhalten Z. Jedenfalls verdient aber schon die Erwähnung eines
II In Len Commcntaren spricht Albertus übrigens immer mit großer Vorliebevom hl. Joseph. So redet er ganz schön im Commentar zn Lnkas von Len vierheil. Männern der Bibel, die den Namen Joseph tragen.