134
Kapitel XX.
schusscs erhalten. Da diese Urkunde') auch in ihrer Abfassung großeEigcnthümlichkeit zeigt und ohne Zweifel von Albert selbst diktirt ist,so thcilen wir sie wörtlich mit. Sic lautet:
„Im Namen der heiligen und unthcilbaren Dreieinigkeit. Amen.Ich Bruder Albert, durch Gottes Barmherzigkeit Bischof von Regens-burg, Allen Heil für immer! Der Arme und der Gläubiger begegnetensich, beide aber hat der Herr erleuchtet. Ich nämlich als Gläubigerund unser Domkapitel als Armer, wir haben uns begegnet. Denndurch Gottes Fügung sind wir verbunden zur selben Gottseligkeit undzur gegenseitigen Achtung und Unterstützung. Da hat der Herr unsbeide erleuchtet, mich, damit ich die erkannte Armuth des Kapitels undder Brüder mit mitleidigem Auge anschen könne und wolle; das Ka-pitel aber, damit mein Hinblick auch nütze zur Hebung der unwürdigenArmuth des Kapitels. Denn ich habe gefunden, daß die Präbcndender Brüder von ihrer ersten Stiftung an mager und gering warenund außerdem durch die Bosheit der Menschen und der Erde, beson-ders aber durch die langen und kostspieligen Prozesse, die sie führenmußten für die Freiheit und den Wohlanstand ihrer Kirche, so gemin-dert wurden, daß sie weder uns, noch der Kirche, noch sich selbst hel-fen und nützen, wie es scyn sollte und sich geziemte. Da es michnun von Herzen schmerzte, daß ein so berühmtes und ausgezeichnetesKapitel und Brüder von so großer Tugend und Emsigkeit in schäd-licher und entehrender Armuth lebten, habe ich die Pfarrei Cham demKapitel gegeben, zur Aufbesserung der Präbenden der Brüder, zurEhre Gottes und zur Zier der Kirche, damit die Brüder desto lieberGott dienen, anständiger existiren können, und sich für die Zukunftdesto glühender und wirksamer für ihre Kirche als Mauer hinstellenmöchten und könnten. Ich will jedoch, daß jene Kirche Cham durchmeine Liberalität Nutzen, nicht Schaden habe. Je mehr und umsichti-ger diejenigen sind, die sie nun angeht, mit desto größerer Sorgfaltund Frucht soll diese Kirche fortan verwaltet werden. Ihre Gemeindesoll einen Priester bekommen, der geeignet, mächtig in That und Wortist, der durch seine Predigt und sein Beispiel lehrt und der wiedernach der Anzahl der Filialkirchen, nach der Menge und nach dem Zu-stande der Gemeinde sich als Gehilfen in seiner Seelsorge Prie-ster und Kleriker anstellen soll, so viel nöthig und die ordentlich sind.Seinem Diöcesanbischofe aber und dem Archidiaconus, dem Dechantund Kämmerer soll er die Kathedralsteuer und alle andern Reichnisse
1) Bom 16. Juli 1260. Bei kwa, 6oc1. äipl. 1, 458.