130 Kapitel XX.
der Lateiner anszuarbeiten, beim Vortrag aber sich der deutschen Mutter-sprache zu bedienenft.
Was schriftlich nicdergelcgt wurde von solchen Männern, wieAlbertus, das war nicht bloß sür eine Gemeinde oder ein Voll be-stimmt, es sollte vor Allem den Mitgliedern des Ordens dienen, deraus allen Nationen die edelsten Sprossen in sich vereinigte, es sollteNutzen stiften im Umkreis der ganzen Kirche, die über die ganze Erdesich ausgebreitet. Daher sind ihre Schriften in der Sprache der katho-lischen Kirche, im lateinischen Idiom abgefaßt.
Uebrigens ist zu bedauern, daß sich keine deutsche Predigt Albertserhalten; cs wäre gewiß auch ein hochinteressantes Denkmal der deut-schen Literatur, wie die Predigten seines Zeitgenossen, des Franzis-kaners Berthold, der unmittelbar nach Alberts Regierung in der Diö-cese Regensburg und ringsum in Verkündung des Gottcswortes wahr-haft Wunder wirkte ft. Es war ja das goldne Zeitalter der deutschenLiteratur, das Jahrhundert des Wolfram von Eschenbach, des Walthervon der Vogelweide, Konrad von Würzburg (st 1287) und andrerFürsten der deutschen Dichtkunst. Und bald beginnt auch die deutscheProsa durch die Ordensgenossen des Albertus, durch Heinrich Susound I. Tauler ihre lieblichsten Blüthen zu entfalten.
Doch auch in spccicllen Nöthen war die Burg des AlbertusAllen zugänglich. Wer der Belehrung bedurfte, konnte ihm nahen,und erhielt ans seinem Munde nützlichen Rath und heilsame Er-mahnungen ft. So war Albert wahrhaft der Hirte der Seelen!Aber noch mehr! Selbst die Last der zeitlichen Geschäfte wälzte ernicht gänzlich von sich ab, so schwer sie seiner an geistige Thätigkeitallein gewöhnten Seele fallen mußten- Wie sehr Hütte er sich gewünscht,durch die nmrollendcn Mühlsteine der weltlichen Geschäfte nicht am
1) Daraus, daß so wenig deutsche Predigten des Mittelalters erhalten sind, hatinan daher den Schluß gezogen, daß man überhaupt wenig gepredigt habe. Ganzmit Unrecht, wie kürzlich ein Pastor in Hamburg nachgewiescn hat.
2) Vgl. Xnon^mi larrag-o Iristor. reruirr katisp. bei Oek. II, ,r. 505. Ber-thold, aus Regcnsburg gebürtig, hieß der Elias seiner Zeit. Wenn er predigte,schienen sich Himmel und Holle vor seinen Zuhörern zu öffnen; Sünder sanken vollRene über ihr Vergehen in Ohnmacht; vornehme Räuber gaben das ungerechte Gutheraus; Religionsspötter wurden andern Sinnes: bei seinen Predigten waren oft40 — 100,000 Menschen anwesend. Seine Predigten sind neuerdings herausgegebenworden von Pfeiffer, etwas modernisirt von Gaisser und Stotz.
3) Rudolph.