Druckschrift 
Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
Entstehung
Seite
129
Einzelbild herunterladen
 

Wie der sel. Albertus sein Bisthmn verwaltet. 129

vier rothen Streifen (plaZnIne) besetzt war zum Andenken an dieWunden des hochheiligen Leibes Christi, lieber die Schultern warengeschlungen zwei lange schmale Streifen, die Stola, in derenGewebe die Figuren der heiligen Apostel cingefngt waren, einenkleinen Streifen gleicher Art (Manipcl) trug der linke Arm. Derganze Leib aber war bis zu den Fußen bedeckt mit dem Meßkleide,der Casnla, die von Seidensammt gefertigt und mit einem golbdurch-wirkten Pallinmskreuze auf beiden Seiten versehen war. Sie walltemit reichem Faltenwürfe von den Schultern, wo sie zu beiden Seitenetwas aufgeschlagcn war, bis zur Ferse herab. Seine Hand führteeinen Bischofsstab, im Geiste des früheren Ordenslebens ganz einfachgehalten, unten von Holz geschnitzt, während die Krümmung ansElfenbein gefertigt, vielleicht den Gruß des Engels an Maria dar-stcllte'). Eine Mitra bedeckte sein Haupt, niedrig, aber wohl mit ge-sticktem Bildwerk und anderem Schmuck versehen. So schritt er vonseiner Kathcdra, die zur Seite der Abfis stand, hin zum Altäre, derwohl ans den kostbarsten Stoffen und glänzendsten Metallen im roma-nischen Style erbaut war. Rings in dem mächtigen Chorgestühl aberwar sein ganzes Kapitel versammelt, voran Heinrich der Propst, Levder Dekan, Perchtold von Oberndorf, Archidiakonns, Albert von Hütte,Ulrich von Dornberg, auch Propst von St. Johann, Calhoch, Archi-diakonns, Albert von Pleistein, Magister Perchtold, Propst zu Spalt,und Ulrich von Hackelstat ch nebst vielen andern, Vikaren und Kan-toren. Sie bildeten einen herrlichen Kranz um den Bischof, der nunwährend des Klanges gregorianischer Gesänge das hohe Opfer erneute.

Daß Albert auch öfter das Amt der Predigt versah, wird gleich-falls erwähnt, lieber die Beschaffenheit dieser Predigten haben wiruns früher schon ausgesprochen. ^Nür dieses sei noch erwähnt, daßAlbert ohne Zweifel in deutscher Sprache dem Volke gepredigt hat,obwohl seine erhaltenen Predigten insgesammt in lateinischer Sprachegeschrieben sind. Man hatte das ganze Mittelalter hindurch die Uebnng,die bei alten, in den Klöstern gebildeten Männern noch bis zurNeuzeit festgehalten wurde, den Entwurf der Predigten in der Sprache

1) Ist bloß eine Vermuthung, da an dem Stabe des Albertus, der noch in derTnmba liegt, das früher vorhandene Bildwerk fehlt und nur die Eisenkrümmuug sicht-bar ist. UcbrigeuS redet Albert auch oster vom Gebrauch des Elfenbeins zu solchenZwecken zu seiner Zeit, z. B. zu Ciborien-

2) Bei Nied 6oä. ckixlom. lom. I, p. 453 kommen diese 10 Kanoniker in einerUrkunde vom September 1259 vor.

Sighart, Albert d. Grotzc.

9