Wie der sel. Albertus sein Bisthum verwaltet. 127
Fall seyn, daß er die Farben des Sittengemäldes seiner Zeit zu grellaufgetragen. Daß aber in Folge der traurigen Zustände des Reiches,der öden kaiserlosen Zeit, der steten Kämpfe und Zwiste, des wachsen-den Reichthums und Luxus viel Uebles sich in Kirche und Staat ein-geschlichen, daß Volk und Klerus einer Hebung und Auffrischung be-durften, ist eine Thatsache, wofür alle Zeugnisse jener Zeit sprechen.Zwar war durch die beiden Bettelorden schon Vieles geschehen zurBesserung der Sitten. Aber noch mehr war zu thun!
Doch Albertus verzagte nicht. Er ging mit heiliger Entschlossen-heit an das Werk, die vorhandenen Schäden nach Kräften zu entfernen.Davon berichten wieder seine Biographen mit großer Ausführlichkeit.Sie sagen: Alberts erstes Augenmerk war auf seinen geistlichen Berufgerichtet. Er betrachtete sich mit Recht als den obersten Hirten allerSeelen, der Schafe und der Lämmer, und lag darum vor Allem demAmte der Seelenführung ob. Er ging dabei aber mit solcher Vorsichtzu Werk, daß er, wie das lebendige Wesen, das auf allen Seiten mitAugen versehen war, nie fchltrat und ohne Tadel vor dem Volkedastand').
Dann schritt er voll Eifer voran, was in den Sitten verdorbenund ungeordnet war, durch geistige Beschneidung zu entfernen, vorerstbei den Personen, die zur Kriegsschaar Christi gehören, und dann auchbeim Volke. Vor Allem suchte er sich aber hiezu der höheren Gnadezu versichern. Darum zog er sich, um dem Getöse der Stadt und denlärmenden Besuchen zu entgehen, häufig in sein Schlößchen Staufzurück, das eine Meile entfernt war und ihm als Geheimstübcheu diente^).Da, heiligen Betrachtungen sich hingebend, suchte er seine Heerde vorden Anfällen der Wölfe, durch den Schild der Gebete zu schützen ^).Dann zog er selbst hinaus, um Visitationen vorzunehmcn, besondersin den Klöstern, die er in jenem blühenden Sittcnzustand zu sehenwünschte, dessen Wohlgcruch Himmel und Erde erfreut^).
So visitirte er entweder selbst oder durch einen Delcgirten imJahre 1261 das alte Benediktiner-Kloster Metten bei Deggendorf,
1) Rudolph.
2) Rudolph. Es ist hier das Schloß Donaustauf gemeint, jetzt Ruine, gegen-über der Walhalla in reizender Lage, lieber dieses Donaustanf, seine Lage und Ge-schichte pgl. Adalb. Müller, Donaustauf und Walhalla. Reg. Mauz. Eine Ansichtder Ruine Stauf ist beigegeben.
3) Ebend.
4) Ebend-