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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XX.

über den Schmerz Josephs, d. i. der Armen, sondern sie sagen jenesWort des Predigers: Nnn habe ich Rnhe gefunden, nnn will ich alleinvon meinen Gütern zehren!"

Noch mehr gibt er sich dem Ausdrücke heiliger Klagen hin, wo ervon den Vorzeichen des Gerichtes spricht (Lncas 21, 25). Er schildertabermals die Trägheit, die Genußsucht und den Ehrgeiz der Klerikerund sagt, auch diese Lichter seien verdunkelt und in ihrem Laufe zurück-gcgangcn.Denn zurückgcgangen sind sie zu dem, was sie ausgespicen undzum Leben der Laien. Aus diese Weise ist der Klerus zurückgcgangen,der die Sonne der Welt war; und darum ist auch der Mond, das istdie Gemeinde der Laien, verdunkelt worden in seinem Lichte und ver-wandelt in Blut, das ist, zur Liebe des Fleischlichen hingewendet."Noch schärferen Tadel finden wir an der Stelle, wo die Sadbncäcr demHerrn erzählen, daß ein Weib sieben Brüder nach einander geehelicht,aber mit Keinem einen Sprossen erzielt habe. Er sagt hiebei:Die-sem Weibe gleichen viele Kirchen heutigen Tages, die nicht bloß sieben,sondern hundert Prälaten nach einander haben als Vermählte undkeine Frucht davon gewinnen."

Ans solchen Schilderungen wird uns klar, welches die Sittenzn-stände der Zeit und die Umgebung unsers Albertus gewesen sind. Zwardürfen wir ohne Zweifel annehmcn, daß der Selige, von: strahlendenLichte hoher Sittenreinheit umflossen, alle Mackel in ihrer vollenGröße und Häßlichkeit, wie sie Gottes Auge sicht, geschaut und darumauch die kleineren') mit den grellsten Farben gesehen und geschilderthat. Wir finden ja dieselbe Erscheinung in allen Jahrhunderten. Im-mer erheben die Heiligen, die wie ein Berg in einer weiten Ebenedastehen in der Wüste ihrer Zeit, laut ihre Stimme über den Verfallder Sitten und die Verdorbenheit der Generation. Indem sie ohneUnterlaß in den Spiegel des höchsten sittlichen Ideals, ans die GestaltChristi, Hinblicken, muß ihnen die Mangelhaftigkeit und Verkümmerungdieses Vorbildes, wie sie die Welt immer zeigt, ein trauriges, ab-schreckendes Schauspiel seyn. So mag es nun auch bei Albert der

1) Wir haben z. B. schon früher erzählt, wie Albert sehr erbittert ist über dieTrägheit der Kanoniker, die im Chore den Mund nicht genug öffnen beim Gebete.In der Predigt am dritten Adventsonntage geißelt er besonders schlechte Gebräucheder Zeit, so die Weiber, welche sich schminken, die Haare färben, Goldgeschmcide indie Locken flechten, Männer und Weiber, welche faltige Gewänder von Leinwand,Wolle oder Seide tragen und mit goldenen Spangen zusaminenheftcn, in ihren Zim-mern unchrbare Bilder tz. B. Tanzende) haben, und solche, die ihre Lust an Harfen,Pauken, Pfeife», Trompeten und Schauspielen haben. Alle diese haben den Aussatz.