Wie der sel. Albertus sein Bisthum verwaltet. 125
entheiligt werden; durch diese verliert die Achtung der Gläubigen vorder Religion; durch sie wird das Volk um das Heilige betrogen unddie Habe der Kirche verschleudert. Durch sie verliert das Wort Got-tes, weil cs durch unreine Lippen verkündet wird, darum höhnen dieHäretiker, darum wütheu die Herrscher, darum verfolgen die Gottlosen,darum greife» die Gottcsräubcr so frech nach dem Erbtheil Christi;wegen dieses faulen Fleisches, welches das Messer der Zucht abzuschnei-den versäumt, wird der ganze Leib der heiligen Mutter, der katholi-schen Kirche, zum Gcspötte und Hohn." Und sofort fordert er die Bi-schöfe ans, mit den strengsten Strafmitteln gegen die Schäden cinzn-schrcitcn und den Klerus zu resormiren. Er droht sonst mit dem Schick-sal Heli's. „So handelt, damit," schließt der Papst, „wenn der Fürst derHirten kommt und von Jedem aus uns die Frucht unscrs Amtes ver-langt, ihr furchtlos dastehet und Rechenschaft geben könnet von eurerVerwaltung."
Albertus selbst aber spricht in jenem Werke mit einer Offenheitund Freimüthigkeit von den Fehlern der Ordenslcute, Bischöfe undKleriker seiner Zeit, daß wir staunen müssen. So sagt er bei derStelle: Es werden Zeichen an der Sonne, am Monde und an denSternen erscheinen Z, Folgendes: „Die Sterne sind die Ordcnsleute,welche, wie die Sterne am Himmel stehen, so im himmlischen Wandelfeststehen sollten, denn unser Wandel ist im Himmel. Und im Buchder Richter heißt es: Die Sterne, die an ihrem Orte und in ihremLause blieben, kämpften gegen Sisara. Sie haben aber drei Rollen,nämlich das Gelübde des Gehorsams, das der Keuschheit und das derArmnth. Und das Gelübde des Gehorsams halten sie einigcrmafsen,auch das der Keuschheit; aber die Entsagung auf das Eigenthum istoffenbar verloren worden, da fast alle zur Liebe des Irdischen geneigtsind, selbst mehr als die Wcltleute, und es heißt bezeichnend bei Mat-thäus (24, 29), daß sie zur Erde gefallen sind." Bei der Erzählung(Luc. 16, 21) vom Lazarus, der sich mit den Brosamen zu sättigensehnte, sagt Albert: die Kirchenvorständc müßten reich sehn an Wissen-schaft, an göttlichen Worten, wodurch sie das arme Volk, die Sünder,zur Buße anlocken könnten, und sie sollten ihnen wenigstens sechs Bro-samen geben (die sofort erklärt werden). An: Ende aber ruft er vollSchmerz aus: „Aber weh! heut zu Tage gibt Niemand dem armenVolke; und jene Kirchenvorstände (Prälaten) salben sich nach demWorte des Propheten mit bester Salbe, aber sie haben kein Mitleid
1) LucaS 21.