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Kapitel XX.
Wir sehen ans diesen Berichten, wie Albert auch jetzt aus derHöhe der bischöflichen Würde in gleicher Einfachheit und Gottseligkeitwandelte, wie früher, als er noch in den Niederungen des Ordensstan-des geweilt. Doch dürfen wir wieder nicht glauben, daß er damalsetwa in stiller Zurückgezogenheit vom Treiben der Welt nur heiligenUebungen sich hingcgeben und nur der Zier seiner eigenen Seele ge-dacht habe. Nein, er war auch mit ganzer Seele Bischof, er hat allePflichten eines Bischofs und Kirchensürstcn mit so hoher Weisheit, mitso staunenswerthcr Pünktlichkeit und so uncrmüdctcm Eifer erfüllt, daßer den bewundcrtsten Bischöfen aller Zeiten an die Seite gesetzt wer-den darf. In diesem Nrtheile sind alle Geschichtschreiber, sowohl seineOrdensgenosscn als auch die Regensburger Chronisten, völlig EinesSinnes. Wir wollen darum sofort ans diese öffentliche Thätigkeit desAlbertus unser Auge wenden.
Kapitel xx
Wie der selige Albertus sein Disthum verwaltet.
Albert hatte seine weite Diöcese in einem Zustande gefunden, derkeinen erfreulichen Anblick bot. Die stets fortdauernden Kämpfe undStreitigkeiten zwischen Fürsten und Städten, die daraus sich ergebendeVernachlässigung des Oberhirtcnamtes durch seinen Vorgänger und dieimmer steigende Macht und Genußsucht in allen Ständen hatte einegroße moralische Verwilderung unter Volk und Klerus hcrbcigeführt.Wenn wir das Schreiben lesen, welches Papst Alexander IV. an denErzbischof von Salzburg und seine Snffraganen, also auch an Albertus,im Jahre 1260 erlassen, und die Worte heiliger Entrüstung hören,welche Albert selbst in seinem Commentar zum Evangelium des heiligenLucas, den er damals geschrieben, ausgesprochen hat, so können wirvon den eingerissenen Mißständen eine Ahnung erhalten. Der Papst')klagt mit dem Ausdruck des bittersten Schmerzes über die schamloseund freche Verletzung der gelobten Keuschheit durch manche Mitgliederdes Klerus. „Durch diese," sagt er, „wird vor Allem der Name desHerrn gelästert in den Ländern; durch diese leiden die Sakramente deswahren Glaubens, da die Gefäße des Herrn durch ihre unreinen Hände
1) Das ganze sehr umfassende Breve ist mitgetheilt vom Abt Hermann vonAltaich in seinen Annalen bei Oefcle I, 680. Es ist datirt vom 15. Februar 1260.