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Albertus Magnus : sein Leben und seine Wissenschaft
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Kapitel XVIIl.

Stellen haben fortziehcn lassen. Welches ist ihr Ruf! Welche Frucht habensie gebracht! Wie haben sie geendet! Erwäge aufmerksam im Geist, welcheStörung und welche Schwierigkeit man trifft bei der Regierung der Kirchenin Deutschland, und wie schwer cs ist, weder Gott noch die Menschenzu beleidigen! Wie wirst Du die Verstrickung in zeitliche Geschäfteund in die Gefahren der Sünde ertragen können, nachdem Du dieheiligen Bücher und die Reinheit des Gewissens so sehr geliebt hast?Wenn Du den Nutzen für die Seelen suchest, betrachte, daß Du durchdiese Aenderung des Standes die zahllosen Früchte ganz vernichtest,die Du gebracht nicht nur in Deutschland, sondern fast in der ganzenWelt, durch Deinen Ruhm, Dein Beispiel und Deine Schriften, wäh-rend die Frucht, die Du im bischöflichen Amte bringst, ganz unsicherist. Du sichst noch, mein lieber Bruder, daß unser Orden gerade vongroßen Verfolgungen befreit worden und nun voll des Trostes ist;was wäre cs nun, wenn Du ihn wieder in tiefe Trauer zurückver-setztest? Möchte ich lieber hören, daß mein lieber Sohn im Grabeist, als ans dem bischöflichen Stuhl! Ich beschwöre Dich also auf denKniecn bei der Demuth der heiligen Jungfrau und ihres Sohnes,Deinen Stand der Demuth nicht zu verlassen! Dann wird, was derFeind vielleicht znm Verderben Vieler angcstiftet, znm doppelten Ruhmefür Dich und uns ausschlagcn. Gib mir eine Antwort, die mich undunsere Brüder tröstet und erquickt! Bete für mich! Die Gnade Jesusei mit Dir! Amen."

Man sicht aus diesem Schreiben den hohen Werth, den der ganzeOrden ans den Besitz des Albertus gelegt. Zugleich ist offenbar, daßder Ordensgcneral die Annahme der hohen Würden als einen Verstoßgegen die Ordenstugenden, gegen Demuth und Armnth hält. Daherdiese flammende Bitte.

Albert aber hätte dieser Mahnungen seines Obern nicht bedurft.Was in seiner Macht stand, hatte er bereits gcthan, um die hoheWürde von sich abzuwälzen. Er hatte unter Thränen um Barmher-zigkeit gefleht. Da aber sandte der Papst, der dem Albertus vielleichtbisher bloß mittelbar seine Wahl kundgegcben, von Anagni aus einenBrief, der längeres Zaudern als Sünde erscheinen ließ. Dieses Breve,welches wieder Alberts Verdienste und den Zustand der ihm zugedach-ten Diöcese in Hellem Lichte zeigt, lautet also:

Alexander Bischof, Diener der Diener Gottes, dem BruderAlbert vom Predigerorden, Lektor zu Cöln. Die Pflicht des uns über-tragenen Amtes bewegt uns, daß wir unter den andern Sorgen, die unsbeständig umgeben, besonders um die Kirchen uns kümmern und ans ihr