Der sel. Albertus wieder als Provinzial in Deutschland re. 115
tiefer Demnth erfüllt war, erkannte er gut den Geist des Hochmuths,der ans solchen Umständen zu erwachsen pflegt, und wich den Geschossendes Feindes ans, damit er nicht durch die Dünste des menschlichenLobes in den Abgrund der Hoffahrt falle. Wie das lebendige Wesenvor Gottes Antlitz, so wandelte er vor ihm, bereit, immer dahin zugehen, wohin der Antrieb des Geistes ihn führte. Er war ein Ver-ächter der irdischen Ehre und schätzte die Tiara und den Bischofsstabnicht höher, als den Sack und den Stecken des Mönches, und liebtein diesem Leben Nichts als Christum und seine Gerechtigkeit."
Sv wird uns also die Persönlichkeit des Albertus in jenen Tagengeschildert. Die Glorie aller Tugenden umstrahlt sein Haupt. AnLeib und Seele von höchster Anmuth und Kraft, steht er da in Mitteseiner Brüder. Kein Wunder also, wenn dieses herrliche Licht jetztnoch auf einen Leuchter der Kirche gestellt wurde.
Kapitel xvm.
Der selige Albertus wird zum Bischof von Negensburg erwählt.
Die ruhmreiche Kirche von Regensburg, wo einst Albertusschon als Lehrmeister mit Segen gewirkt, war um jene Zeit inarge Zerrüttung gerathen. Bischof Albert I., ein Graf von Pötti-gau, verwaltete sein hohes Amt nicht nach Gebühr. Er war wiemanche Oberhirten jener Tage, die vom Glanze der Ehren und vomKlange der Waffen sich bethören ließen, ein kecker Streiter und feinerPolitiker, aber kein würdiger Bischof. Unsägliches Unheil hatte erbereits gestiftet in seinem weiten Sprengel. Unter Böhmen und Bayernnährte er den Samen der Zwietracht und des verheerenden Krieges,der seine Diöccsc nun durchloderte; den Bürgern von Regensbnrgfügte er alles Ueble zu, weil sie dem Kaiser augehangen; im eignenHaushalt hielt er keine Ordnung und mit dem Vermögen der Kircheschaltete er zu seinen Zwecken mit verschwenderischer Hand '). Da brachendlich die Erbitterung gegen ihn in Thaten aus. Die Kirche hat ja durchdes Herrn weise Fügung einen obersten Hirten, dessen Auge und Arm aufalle Regionen des großen Hauses sich erstreckt, der die Schafe auch zuschützen weiß vor einem Hirten, der zum Miethlinge oder Wolf geworden.Bürger und Kapitel von Regensburg vereinigten sich, appellirten an
1) Vgl. Gumpelzheimer, NegenSburgs Geschichte. (Neg. 1830.) I, 189.
8 *